Lehrplandetails

14. Juli 2007

Eine eigenartige Allianz: Hessens Kultusministerin Karin Wolff und der Augsburger Bischof Walter Mixa fordern einmütig, die christliche Schöpfungslehre in den Lehrplan des Biologieunterrichts aufzunehmen. An sich eine schöne Idee: Man könnte anhand der Evolutionstheorie besonders gut darstellen, dass auch in der Naturwissenschaft nicht alles gesicherte Erkenntnis ist. Mehr noch, man könnte an diesem Beispiel gut die Möglichkeiten und Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis aufzeigen.

Leider wird es dazu nicht kommen. Den Vertretern dieser Diskussion hier und überm großen Teich geht es zu oft nicht um offene Diskussion, sondern um Durchsetzung der eigenen Position. Die „Diskussionsbeiträge“ setzen zu sehr auf durchschaubare Polemik, bis hin zu dem häufig geführten Versuch, die Gegner der Lächerlichkeit preiszugeben. Dass Eltern und Lehrer diese „Diskussionskultur“ nicht auch noch an den Schulen haben wollen, ist verständlich und richtig.

Vergessen wir bitte nicht, dass die Schule – im Gegensatz zur Universität – nicht der Ort zur Klärung naturwissenschaftlicher Streitfragen oder zur Vertretung von Minderheitenmeinungen ist. Deshalb muss die öffentliche Schule in einem Staat, in dem Religionsfreiheit herrscht, ganz selbstverständlich die Evolutionstheorie lehren, weil es sich dabei nun mal um die Theorie handelt, die von der überwältigenden Mehrheit der Wissenschaftler vertreten wird. Es mag mit einer angebrachten kritischen Distanz und mit dem dezenten Hinweis auf alternative Denkmodelle geschehen, aber es muss geschehen.

Dabei frage ich mich manchmal: Haben wir sonst keine Sorgen? Nach der Harry-Potter-Diskussion in Chemnitz im März melden sich diejenigen in Deutschland, die sich für Christen halten, erneut mit einem Lehrplandetail zu Wort. Als wenn in unseren Schulen nur ein paar Lehrplandetails korrigiert werden müssten, und dann wäre alles in Ordnung. Natürlich ist es nicht falsch, wenn Christen öffentlich ihre Interessen vertreten. (Auch dann nicht, wenn ich wie in den beiden genannten Fällen diese Interessen nicht teile.) Aber wäre es nicht viel besser, schöner, liebevoller, wenn wir uns da einsetzen würden, wo die großen Probleme sind, wo die ganze Gesellschaft etwas von unserem Einsatz hat. Ich will nicht sagen, dass dies nicht geschieht. Vieles bleibt im Verborgenen oder schafft es zumindest nicht in die Nachrichten. Aber ich möchte eine Regel vorschlagen: Bevor wir uns mit einem spezifisch christlichen Randthema öffentlich zu Wort melden, sollten wir zunächst gründlich überlegen, ob es nicht mindestens zehn genauso wichtige Themen gibt, zu denen wir uns zu Wort melden können, die keine spezifisch christlichen Randthemen sind.

Und was ist meine Meinung zum Thema Evolutionstheorie und Schöpfung? Es ist das Wesen der Naturwissenschaft, dass sie sich mit reproduzierbaren Vorgängen beschäftigt. Die Entstehung des Universum ist allerdings genauso wenig reproduzierbar, wie die Entstehung des Lebens auf unserem Planeten. Einmalige Ereignisse sind aber der Naturwissenschaft nur so weit zugänglich, wie sie reproduzierbare Vorgänge enthalten. Mit diesen Vorgängen und den Folgerungen daraus beschäftigt sich – zu Recht – die Evolutionstheorie. Unsere Herkunft als Ganzes ist den Methoden der Naturwissenschaft allein nicht zugänglich. Hier brauchen wir eine ergänzende Quelle der Erkenntnis. Und die ist für mich die Bibel.

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Eine Antwort to “Lehrplandetails”


  1. […] zugeben, dass ich ihn noch nie in einem Kittel gesehen habe…) meint dazu in seinem Artikel “Lehrplandetails”): Es ist das Wesen der Naturwissenschaft, dass sie sich mit reproduzierbaren Vorgängen […]


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