Mord und Totschlag

29. Juli 2007

Darum zieh gegen sie ins Feld und vernichte sie! Alles, was zu ihnen gehört, steht unter dem Bann. Darum töte ohne Erbarmen Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder, Schafe, Kamele und Esel.

So sprach Gott über den Propheten Samuel zu König Saul – nachzulesen in 1. Stamuel 15, Vers 3. Saul befolgte dieses Gebot nicht genügend konsequent, was das Ende seiner „Karrriere“ zur Folge hatte.

Nicht nur für Saul war dieser Befehl ein Stein des Anstoßes. Was soll man bitteschön von einem Gott halten, der die Ausrottung ganzer Völker befiehlt? So werden wir als Christen immer wieder von unseren Kritikern gefragt, und so fragen wir uns selber. Und würden am liebsten diese Stelle aus der Bibel streichen – und so manche andere mit. Denn Rache üben und Gewalt befehlen passt nicht in unser Bild vom lieben Gott. Dennoch ist das vor allem (aber nicht nur) im Alten Testament kein Einzelfall. Wie bringt man das zusammen: Derselbe Gott, der aus Liebe seinen Sohn gibt, befiehlt Mord und Totschlag? Na, danke!

Nun ja, wenn von beidem so viel in der Bibel die Rede ist, muss beides auch wirklich wichtig sein. Und der Gott im Alten Testament ist derselbe Gott wie im Neuen Testament. Es ist der liebende und gerechte Gott, der ein ernsthaftes Problem hat. Der Sünde Sold ist der Tod, schreibt Paulus. Und weil Gott vollkommen gerecht ist, muss er den Sünder zum Tod verurteilen. Da gibt es keine Alternativen. Schließlich ist ein Richter, der Verbrecher laufen lässt, genauso ungerecht wie ein Richter, der Unschuldige verurteilt. Da hilft es auch nicht, dass sich der Richter dadurch als nett und gnädig erweist, Ungerechtigkeit bleibt Ungerechtigkeit. Und Gott und Ungerechtigkeit, das passt einfach nicht zusammen.

Was Gott tun kann, ist das Urteil aufzuschieben. Und davon macht er auch regen Gebrauch. Er erweist seine Gnade darin, dass er fast immer Jahre und Jahrzehnte vergehen lässt, bis die Sünde in letzter Konsequenz zum Tod führt. Das ist gewonnene Zeit für Reue und Umkehr. Und da kommt die größte Gnadentat Gottes ins Spiel: Jesus hat sich zur Verfügung gestellt, damit die Urteile von Millionen von Menschen nicht an diesen Menschen, sondern an ihm vollstreckt werden.

Mit dem Tod und der Auferstehung Jesu ist eine unvergleichliche Gnadenzeit angebrochen. Gott verschiebt Urteile noch länger, lässt Menschen noch mehr Zeit, damit möglichst viele dieses Angebot annehmen. Nach der Predigt des Paulus am Pfingsttag nahmen etwa 3.000 Menschen dieses Angebot an. Das ist in weltweitem Maßstab längst Alltag geworden. Mich würde es nicht wundern, wenn die weltweite Zahl der Bekehrten an jedem einzelnen Tag mittlerweile in die Zehntausende gehen würde. Zehntausende Menschen, die jeden Tag ihre Sünde auf Jesus werfen und damit gerettet werden! Wenn das keine Gnadenzeit ist …

Am Ende vollstreckt Gott sein gerechtes Urteil über jeden Menschen – entweder an diesem Menschen selbst, oder an Jesus. Das gilt für das Neue Testament und für uns heute genauso wie für das alte Testament. Dennoch gibt es Unterschiede: Im Alten Testament ist eine direkte Bezugnahme auf das Opfer Jesu noch nicht möglich. Eine Rettung kann nur in einer symbolischen Vorwegnahme dieses Opfers als Tieropfer geschehen, und dieses ist nur im auserwählten Volk möglich. Vieles muss sich daher im Alten Testament durch die Haltung gegenüber diesem Volk definieren. Diese Haltung muss geklärt werden, und diese Haltung muss Konsequenzen haben. Gott lässt auch hier oft lange Zeit zur Umkehr. Aber wenn diese nicht erfolgt, zieht er die Konsequenzen durch, mit aller Härte des gerechten Richters. Und er benützt auch sein Volk als Vollstrecker seiner Urteile.

Auch heute nimmt Gott noch Menschen in seinen Dienst, aber die Aufgabe ist eine andere geworden. Das Opfer Jesu ist geschehen, wir können darauf Bezug nehmen und Menschen einladen. Die Gnadenzeit ist angebrochen. Gott hat uns unmissverständlich beauftragt, diese Gnadenzeit auszunützen, so gut wir es vermögen, indem wir Menschen von Jesus erzählen. Wir tun gut daran, genau diesem Auftrag zu folgen.

Was die Balance zwischen Gnade und Gerechtigkeit betrifft, und wie Gottes Wesen beides auf so wunderbare Weise verbindet, dazu bietet gerade das Alte Testament – bei gründlichem Studium und gutem Hintergrundwissen – Schätze der Erkenntnis Gottes, die zwar nicht einfach zu heben sind, die sich aber lohnen, gehoben zu werden.

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5 Antworten to “Mord und Totschlag”

  1. Leyki Says:

    „Der Sünde Sold ist der Tod, schreibt Paulus. Und weil Gott vollkommen gerecht ist, muss er den Sünder zum Tod verurteilen.“ Ist das ein über Gott stehendes Prinzip?

    „Vieles muss sich daher im Alten Testament durch die Haltung gegenüber diesem Volk definieren.“ Was heißt das konkret, was definierst du wie? Ist Gott rassistisch?

    „Gott lässt auch hier oft lange Zeit zur Umkehr.“ Was ist mit den Säuglingen?

    Ist es sehr unverständlich, dass Menschen nicht „umkehren“, wenn sie Gottes mordendes und vergewaltigendes Volk sehen?

    Wodurch unterscheidet sich das Menschenschlachten im AT von den Kreuzzügen?

  2. alvanx Says:

    Interessante und berechtigte Fragen, die aber – wie es bei Dir leider inzwischen üblich geworden ist – in einem sehr negativen und provokativen Tonfall gestellt sind. Würde es nicht reichen, einfach bei unklaren Punkten noch einmal nachzuhaken? Warum musst Du immer durchblicken lassen, dass Du vom Schlimmsten ausgehst, wenn man Dich nicht vom Gegenteil überzeugt? Was ist aus einer grundsätzlich neutralen Diskussionshaltung geworden (die zum guten Stil gehören sollte – so wie ich mit Atheisten auch vernünftig rede) und aus welchem Grund hast Du sie abgelegt?
    Besonders über die erste Frage habe ich mit dem Autor auch schon diskutiert. Auch die Wendung, die die zweite Frage hervorruft, ließ für mich einiges offen und war mir zu vage. Überhaupt würden mich Markus‘ Antworten sehr interessieren – ich wäre selbst wirklich nicht imstande, zu allen umfassende Erklärungen zu bieten. Markus ist viel besser in sowas, darum tu ich einfach, was sich im Lauf der Zeit als das Beste für mich herausgestellt hat, wenn er an einer Diskussion teilnimmt: Den Ball abgeben und warten, bis er ihn versenkt.
    Wie mir versichert wurde, ist schon ein neuer Artikel in Arbeit, der zumindest manche dieser Fragen abdeckt – wobei es nicht zu Markus passen würde, auch nur einen noch so winzigen Aspekt zu ignorieren.
    Hohe Erwartungen also! 🙂

  3. wesenderdinge Says:

    Danke alvanx, dass Du schon mal meinen nächsten Artikel ankündigst. 🙂

    Ich will nicht von mir behaupten, dass ich auf jede Deiner Fragen, Leyki, eine letztgültige und vor allem befriedigende Antwort hätte. Aber ich hatte sowieso schon vor, mich mit ein paar logischen Problemen zu beschäftigen, die tatsächlich viel mit Deinen Fragen zu tun hat. Ich werde diesen Artikel als nächstes schreiben, muss Euch aber bitten, Euch noch ein paar Tage zu gedulden.

  4. Leyki Says:

    @alvanx: Natürlich sind meine Fragen provokant gestellt. Immerhin sprechen wir hier von einem 2,2-millionenfachen Mörder…

  5. wesenderdinge Says:

    Leyki, Du irrst dich. Wenn Dein Mord-Vorwurf zutrifft, dann reden wir entweder von einem einzigen Fall, oder die Milliardengrenze ist längst überschritten.


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