Hotels haben üblicherweise die Eigenschaft, dass keine neuen Gäste mehr aufgenommen werden können, wenn alle Zimmer belegt sind. Nicht so in Hilberts Hotel. Dieser Traum aller Hotelmanager kann selbst dann noch Zimmer an neue Gäste vergeben, wenn bereits jedes Zimmer belegt ist. Es hat nämlich unendlich viele Zimmer. Der Trick funktioniert ganz einfach: Jeder Hotelgast zieht ein Zimmer weiter, Der Bewohner von Zimmer 1 zieht nach Zimmer 2, der Bewohner von Zimmer 2 nach Zimmer 3 und so weiter. Da das Hotel unendlich viele Zimmer hat, gibt es keinen Gast, der kein neues Zimmer findet. Zum Schluss sind wieder alle Zimmer belegt bis auf Zimmer 1, in das nun der neue Gast einziehen kann. Hilberts Hotel hat noch ein paar mehr Tricks auf Lager, die natürlich in der Wikipedia nachgelesen kann.

Der fiktive Beherbergungsbetrieb des Mathematikers David Hilbert zeigt unter anderem, wie schnell wir mit unserer Anschauung Schiffbruch erleiden, wenn wir den Bereich des Gewohnten ein wenig verlassen. Ein Hotel mit unendlich vielen Zimmern ist natürlich unmöglich, aber eigentlich kein wirklich komplizierter Gedanke. Und schon „geschehen“ Dinge, die völlig jenseits unserer Alltagserfahrung liegen.

Warum ich von Hilberts Hotel erzähle? Nun, weil viele Menschen — Christen und Nichtchristen — meinen, logische Widersprüche in der Bibel zu finden. Wie kann der eine Tod Jesu als Erlösung für die ganze Menschheit ausreichen? Warum spielen gute Werke eine Rolle, wenn der Glaube allein reicht? Wie kann der Mensch einen freien Willen haben, wenn Gott allmächtig ist?

Solche Fragen sind natürlich alle wichtig und berechtigt. Es gibt viele Fragen, auf die ich Antworten brauche, um wirklich Jesus nachfolgen zu können. Oft steht aber hinter derartigen Fragen weniger ein Problem der Nachfolge, als vielmehr ein Problem der Logik. Und meist handelt es sich dabei um eine Form von Alltags- und Amateurphilosophen-Logik, die zwar für den Alltag ganz angemessen sein mag, aber noch nicht mal für eine so einfache Fragestellung wie Hilberts Hotel ausreichen würde.

Wenn unser Alltagsdenken schon an einer einfachen mathematischen Unendlichkeit wie Hilberts Hotel scheitert, wie wird es uns dann ergehen, wenn wir über die Heilige Unendlichkeit Gottes nachdenken? Ich bin jetzt keineswegs dafür, mit dem Denken einfach aufzuhören, ganz im Gegenteil. Aber im Nachdenken über Gott müssen wir immer bereit sein, „to boldly go, where no man has gone before.“

Mit dieser Bereitschaft wir das Nachdenken über Gott zu einer höchst spannenden und faszinierenden Tätigkeit — solange wir nicht vergessen, dass das Reden mit Gott und das Vertrauen auf Gott die viel wichtigeren Tätigkeiten sind.