Absonderlichkeiten

16. August 2009

Parteiungen und Spaltungen innerhalb der Christenheit sind schon fast so alt wie die Christenheit selbst. Der Leib Christi präsentiert sich heute als bunter Strauß unterschiedlicher Kirchen, Gemeinden und Denominationen. Die Lage ist zuweilen recht unübersichtlich. Sie wird auch dadurch nicht einfacher, dass die Bibel bloße Parteiungen ablehnt, eine deutliche Trennung von Irrlehrern aber ausdrücklich empfiehlt. Wie nur das eine vom anderen unterscheiden?

Lassen wir doch mal Jesus selbst zu Wort kommen. In Matthäus 12, 30 z. B. sagt er: „Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ Die umgekehrte Formulierung findet sich in Markus 9, 40: „Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.“

Beide Aussagen stehen im Zusammenhang mit der Dämonenaustreibung. Im ersten Fall beweist Jesus, dass (erfolgreiche) Dämonenaustreibungen nicht vom Teufel kommen können, sondern immer ein Beleg für göttliche Autorität sind. Im zweiten Fall gilt das sogar, wenn die handelnde Person nicht mal ein Nachfolger Jesu ist. Allein die Berufung auf seinen Namen genügt.

Für das Prädikat „für Jesus“ genügen also zwei schlichte Kriterien: Die Berufung auf den Namen Jesu und das Zurückdrängen der Macht des Teufels. Alle Personen, Werke und Gemeinden, die diese Kriterien erfüllen, haben laut Jesus zumindest eine wohlwollende Duldung verdient.

Die beiden Bibelstellen führen mich direkt zu drei Grundsätze für die Gemeinde Jesu:

  1. Wer „für Jesus“ sein will, muss Jesus in den Mittelpunkt stellen und muss die Gute Nachricht von seinem Kommen verkündigen.
  2. Wer „für Jesus“ sein will, muss das übernatürliche Wirken des Heiligen Geistes erwarten.
  3. Wer „für Jesus“ sein will, darf sein Gehirn nicht ausschalten. Sowohl der verbohrten Selbstgefälligkeit der Pharisäer als auch der anmaßenden Überheblichkeit seiner Jünger begegnet Jesus mit schlichter Logik.

Der geneigte Leser erkennt sicher schon, worauf ich hinaus will. Es geht um die Gute Nachricht, die Gaben des Heiligen Geistes und die Freiheit des Denkens. Wer „für Jesus“ sein will, muss evangelisch, charismatisch und liberal sein. Das ist kein Widerspruch. Das ist die Grundlage eines jeden Dienstes für Jesus.

Problematisch wird es erst, wenn einer dieser drei Grundsätze auf Kosten der anderen überbetont wird. Spätestens wenn einer der drei Grundsätze über Bord geworfen wird, hat man den Boden biblischer Lehre verlassen und ist bei der Irrlehre angekommen.

Und ganz bitter wird es, wenn aus den drei Grundsätzen Kampfbegriffe werden. (Wobei „evangelisch“ hier gern durch den Anglizismus „evangelikal“ ersetzt wird.) Der Liberale lehnt den Evangelikalen als Fundamentalisten ab, der Evangelikale den Charismatiker als Schwärmer und der Charismatiker den Liberalen als Ungläubigen. Und keiner merkt, dass jeder an dem Ast sägt, auf dem er sitzt. Denn durch die Ablehnung des Anderen als Irrlehrer macht sich jeder selbst zum Irrlehrer. Schlimmer noch, man läuft Gefahr, den „für Jesus“-Status zu verlieren. Wer sich um jeden Preis von anderen absondern will, wird schnell absonderlich.

Und was ist mit der Reinheit der Lehre? Zuerst müssen wir anerkennen, dass es sie so in der Praxis nicht gibt. Der Exeget der Bibel tut gut daran, mit dem eigenen Irrtum zu rechnen. Wer seine eigene Fehlbarkeit ausblendet, hat den ersten Fehler schon gemacht.

Gerade deshalb darf man nicht vergessen, wie niedrig Jesus die Schwelle zumindest für eine wohlwollende Duldung setzt. Noch nicht mal Jesus nachzufolgen ist dafür Vorraussetzung. Natürlich sieht das im eigenen Verantwortungsbereich ganz anders aus. Für mangelnde Sorgfalt bei der Bibelauslegung gibt es keine Ausreden.

Zwischen der „wohlwollenden Duldung“ und dem „eigenen Verantwortungsbereich“ gibt es viele Abstufungen von Zusammenarbeit und Unterstützung. Deshalb tut jede Gemeinde und jedes Werk gut daran festzulegen, was sie oder es für die unverzichtbaren theologischen Grundlagen hält. Und die meisten kennen eine solche Festlegung. Meist handelt es sich um Glaubensbekenntnisse, und als solche haben sie eine lange Tradition und sich sehr bewährt. Auch für die übergemeindliche Zusammenarbeit gibt es verbreitete Dokumente wie z. B. das der Evangelischen Allianz.

Und ab da gilt die einfache Regel: Wer bereit ist, sich dem jeweils einschlägigen Dokument zu unterstellen, darf mitmachen. Und wenn dann Gemeinden oder Personen mitmachen, die bisher nicht gerade durch saubere Bibelauslegung aufgefallen sind, heißt das nicht „um so schlimmer für uns“, sondern um so besser für sie“.

Nicht vergessen: Überall wo im Namen Jesu die Macht des Teufels zurückgedrängt wird, wirkt Gott. Und wer möchte sich schon dem Wirken Gottes entgegenstellen?

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4 Antworten to “Absonderlichkeiten”

  1. alvanx Says:

    Ich habe teilweise Mühe deinen Argumentationssprüngen zu folgen. Die drei Prinzipien scheinst du wohl nicht aus den beiden Bibelstellen zu ziehen, oder? Ich tu mich auch schwer zu verstehen, wie du aus dem „Wirken des Heiligen Geistes“ ableitest, dass wir charismatisch sein müssen, obgleich ich den Gedankengang hier noch nachvollziehen kann.

    Deine Argumentation wird aber künstlich, wenn du den Gebrauch von Verstand und Logik „liberal“ nennst. Das Gegenteil von „liberal“ ist nicht „rational unmündig“, sondern „konservativ“ – das Gegenteil von „unmündig“ ist hingegen „mündig“. Insofern ist es nicht erstrebenswert, liberal zu sein, sondern seinen Verstand mündig zu gebrauchen – Dinge, die die Liberalen nicht zwangsläufig vor anderen christlichen Frömmigkeitsrichtungen auszeichnen. (Deine Schlussfolgerung über die Gewichtung der drei Strömungen teile ich aber.)

    Obwohl du ja die Erlösungsfrage bewusst ausgeklammert hast, kommt es mir doch so vor, als hätte sie wenigstens angeschnitten werden müssen – wenn nämlich nicht, könnte man grob falsche Schlüsse aus der These des „Für Jesus“ ziehen.

    „Für Jesus“ ist nicht alles. Ich bin sicher, dass auch die Gnostiker des 2. und 3. Jahrhunderts, genau wie auch etliche der (judaisierenden) Irrlehrer, die ja zuhauf im NT erwähnt werden, nicht von sich sagen lassen wollten, dass sie nicht „für Jesus“ waren. (Auch die moderne evangelische Theologie würde doch niemals von sich behaupten, dass sie nicht das direkte Erbe Luthers ist.) In Wirklichkeit haben diese Lehrer aber damals die Lehre Jesu zersetzt. Das macht auch die liberale Theologie (unabhängig von der Konfession), wenn sie Wunder wie die Auferstehung leugnet oder verbreitet, dass Gott am Ende alle Menschen retten wird. Daran gibt es keinen Weg vorbei. Jesus hat nicht nur „für“- und „wider“-Aussagen gemacht. Er fand auch deutliche Worte, indem er solche Menschen mit „reißenden Wölfen“ verglich:

    Mt 7,15,21-23
    Hütet euch vor den falschen Propheten! Sie sehen aus wie sanfte Schafe, in Wirklichkeit aber sind sie reißende Wölfe. […] 21 Nicht jeder, der dauernd ‚Herr‘ zu mir sagt, wird ins Reich kommen, das der Himmel regiert, sondern nur der, der den Willen meines Vaters im Himmel tut. 22 An jenem Tag des Gerichts werden viele zu mir sagen: ‚Herr, haben wir nicht mit deinem Namen geweissagt? Herr, haben wir nicht mit deinem Namen Dämonen ausgetrieben und mit deinem Namen Wunder getan?‘ 23 Doch dann werde ich ihnen unmissverständlich erklären: ‚Ich habe euch nie gekannt! Macht euch fort, ihr Schufte!'“

    Ein Wort noch zu Duldung und Zusammenarbeit. In der frühen Kirche wurde als Häresie bezeichnet, was die zentralen Dogmen des Glaubens angriff – so etwa Jesu menschliche/göttliche Natur, seine wundersame Empfängnis und Auferstehung, zentrale Fragen der „eigentlichen Theologie“, oder die Dreieinigkeit. Das wird dann hilfreich, wenn wir entscheiden müssen, welche Abweichungen von unseren Vorstellungen wir noch tragbar finden. Genau dort sollte meiner Meinung nach auch die Toleranz der eigenen Fehlbarkeit aufhören.

    Insgesamt: Gute und richtige Schlussfolgerungen, vor allem das Verdienst, dass du die tolerante Duldung anderer Für-Akteure hervorhebst. Damit hast du mir wieder Neues beigebracht. Der logische Weg dorthin scheint mir aber vor allem zu Beginn etwas steiniger als gewohnt.

  2. caupano Says:

    Auch wenn ich Deinen Text im Grundsatz für gut halte, muss ich Dir hier und da widersprechen.

    >1. Wer „für Jesus“ sein will […] muss die
    >Gute Nachricht von seinem Kommen verkündigen.

    Wir haben seit den 50ger Jahren den Begriff der „Mission dei“. Wenn wir dies ernst nehmen, so sollten wir die „Missionsarbeit“ unseren himmlischen Vater überlassen und die Gute Nachricht nur an diejenigen weitererzählen, denen wir damit nicht auf die Nerven gehen (das hat sonst auch leicht den gegenteiligen Effekt).

    >3. […]Sowohl der verbohrten >Selbstgefälligkeit der Pharisäer[…]
    Am 30. Dezember 2007 schriebst Du über Musik, sie müsse immer in ihrem gesellschaftlichen und historischen Kontext wahrgenommen werden – ich denke, das gilt auch für die heute in meinen Augen zu Unrecht gescholtenen Vertreter der jüdischen Theologie zu biblischen Zeiten, ein kleiner Hinweis zur Veränderung der traditionellen Sicht findet sich z.B. in der Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Pharis%C3%A4er#Pharis.C3.A4er_und_Christentum

    >Wer „für Jesus“ sein will, muss evangelisch,
    >charismatisch und liberal sein. Das ist kein
    >Widerspruch. Das ist die Grundlage eines
    >jeden Dienstes für Jesus.

    Hier muss ich Dir als Katholik ernsthaft widersprechen: ich kann sehr wohl „für Jesus“ sein, ohne evangelisch und charismatisch zu sein, biblisch sind die Charismen auch nicht ohne Widerspruch, so sehe z.B. 1. Korinther 14,4 als Kritik an der übermäßigen Zungenrede.
    Extrem überspitzt ausgedrückt: Ich kann das Sein und Wirken des dreieinigen Gottes in meinem Leben finden und erleben, ohne dass mir der Hl. Geist gewisse „Superkräfte“ verleiht.
    An dieser Stelle ist mir natürlich als Kritik entgegenzusetzen, dass auch Glaubenskraft und die Fähigkeit, Erkenntnisse zu vermitteln als Geistesgaben zu definieren sind – nur, muss ich diese als Charismen begreifen, um sie annehmen und verwenden zu können? Ich denke nicht.
    Ob ich z.B. glaube, dass ein guter Prediger seine Fähigkeiten durch den Hl. Geist oder aber durch hartes Training erworben hat, ändert nichts daran, dass er ein toller Prediger ist.
    Ob ich aber umgekehrt einen schlechten Prediger als jemanden begreife, der eben nicht oder zu wenig von Gott bedacht wurde oder aber davon ausgehe, dass er sich einfach nicht genügend Mühe gegeben hat, ändert schon eine Menge.

    Lass uns doch diesen katholisch-evangelisch, charismatisch-nichtcharismatik Konflikt endlich vergessen. Unsere (und insbesondere, muss ich leider zugeben, meine) Kirchenoberen machen uns in der Basis gemeinsame Arbeit für Jesus schon schwer genug, da müssen wir uns nicht auch noch selbst untereinander entzweien.
    Ich würde sagen, wenn wir auch in unterschiedlichen Fahrzeugen unterwegs sind, reisen wir doch auf dem selben Weg. Da brauchen wir uns nicht um die Vorfahrt zu streiten und können uns, wenn wir uns begegnen, doch nett zuwinken und auf den Rastplätzen in freundschaftlicher Gemeinschaft einen Kaffee zusammen trinken, oder?

    Es grüßt,
    Caupano

  3. alvanx Says:

    Hallo Caupano,

    deine Gedanken über Geistesgaben finde ich interessant. Grundsätzlich zustimmen möchte ich deinem Anliegen, als Christen nach außen Einheit zu demonstrieren, anstatt einander gegenseitig zu behindern.

    Allerdings habe ich einige Einwände gegen deine ersten beiden Punkte, nämlich zur Missio Dei und zu deiner Position über die Pharisäer.

    Zuforderst gibt es keinen Grund, das biblische Zeugnis über das Verhalten der Pharisäer und Schriftgelehrten, wie Jesus sie traf, anzuzweifeln – obwohl der Grundtenor der pharisäischen Bewegung vielleicht anders gewesen sein mag. Dass die Evangelien keine chronistisch angelegten Tatsachenberichte sind, hat die Universitätstheologie noch nicht ausreichend belegen können.
    Die ntl. Kritik Jesu beschränkt sich übrigens nicht nur auf die Pharisäer, sondern erstreckt sich auf das gesamte jüdische Establishment – Schriftgelehrte, Priester, Pharisäer, Sadduzäer, Herodianer und die einfache Bevölkerung – alle gleichermaßen waren teils für, teils gegen Jesus. Dass die Pharisäer in der Bibel Jesus gegenüber auch aufgeschlossen waren, sieht man etwa am Nikodemus-Dialog in Joh 3.

    Mission an sich ist nichts weiter als Werbung – und sollte insofern per se nicht störender als Fernseh- und Plakatwerbung sein, wenn man nicht voreingenommen ist. (Mittelalterliche und frühneuzeitliche, katholische Mission möchte ich einmal ausklammern.) Die freie Meinungsäußerung, die selbstverständlich auch die Toleranz von anderslautenden Meinungen beinhaltet, ist eine wesentliche Grundlage der Demokratie. Voltaire: „Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.“ Was man von der Mission hält, ist die Sache jedes einzelnen, aber allein aufgrund dessen verbieten darf man sie nicht.

    Den Begriff der Missio Dei verwendest du falsch. Der Begriff wurde 1952 von Karl Hartenstein für die ökumenische Missionskonferenz in Willingen bei Kassel geprägt, um zu signalisieren, dass die Mission von Gott allein ausgeht. Was das nicht heißt, ist dass die Mission Gott allein überlassen werden sollte und uns nicht betrifft. So steht auch in der Abschlusserklärung der theologischen Arbeitsgruppe jener Konferenz:

    „Die Missionsbewegung von der wir ein Teil sind, hat ihren Ursprung in dem dreieinigen Gott. Aus den Tiefen seiner Liebe zu uns, hat der Vater seinen eigenen geliebten Sohn gesandt, alle Dinge mit sich zu versöhnen, auf daß wir und alle Menschen – durch den Heiligen Geist – eins werden möchten in ihm mit dem Vater. … In Christus sind wir erwählt, mit Gott versöhnt…, zu Gliedern seines Leibes … gemacht, und durch eben diese Tatsache sind wir zur vollen Teilnahme an seiner rettenden Mission bestimmt. Man kann nicht an Christus teilhaben ohne teilzunehmen an seiner Mission an die Welt. Die gleichen Taten Gottes, aus denen die Kirche ihre Existenz empfängt, sind es auch, die sie zu ihrer Weltmission verpflichten. ‚Wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich euch‘.“

    Auch die römisch-katholische Kirche hat auf dem 2. Vatikanum in dem Dekret „Ad Gentes“ und später in „Evangelii Nutiandi“ klar gemacht, dass die Mission für notwendig hält: „… Man muß somit alle Anstrengungen machen, um die … Kulturen, auf mutige Weise zu evangelisieren.“ (EN) Dabei hat sie meines Wissens sogar den Missio-Dei-Begriff adoptiert (da sie bei den ökumenischen Missionskonferenzen nicht beteiligt war).
    Die EKD hat seit einigen Jahren eine ausgesprochen positive Einstellung zu aktiver Mission. Und so gut wie alle anderen Kirchen und Denominationen sowieso.

    Liebe Grüße,
    alvanx

  4. wesenderdinge Says:

    Hallo Caupano,

    ich will ja gerade den charismatisch-nichtcharismatischen (und von mir aus gerne auch den katholisch-evangelischen) Konflikt beenden, oder doch zumindest entschärfen. Aber ich bin der Meinung, dass wir zu diesem Zweck einfach davon wegkommen müssen, diese Begriffe als Kampfbegriffe zu verwenden.

    Wenn Du davon schreibst, dass sich ein Prediger seine Fähigkeiten durch den Heiligen Geist oder aber durch hartes Training erworben haben könne, dann konstruierst einen Gegensatz, der so in der Praxis nicht existiert. Keiner kann (laut Paulus) Jesus den Herrn nennen, es sei denn durch den Heiligen Geist. Erst recht kommt kein Prediger ohne Gaben des Heiligen Geistes aus. Ich bin aber genauso der Meinung, dass jemand, der nicht hart an seinen Fähigkeiten arbeitet, kein guter Prediger werden kann.

    Was Du als zwei mögliche Wege darstellst, sind meiner Meinung nach zwei notwendige Bedingungen. Lässt man eine von beiden weg, ist ein Dienst als Prediger nicht mehr möglich.

    Es gibt nun tatsächlich Leute, die nur irgendwelche geistlichen Superkräfte gelten lassen, und diese Auffassung dann charismatisch nennen. Das ist aber ein Missbrauch des Begriffes. Hier wird aus einem Grundbegriff jedes Dienstes für Gott ein Kampfbegriff gemacht, der dazu dienen soll, sich von anderen abzugrenzen.

    Ich bin der Meinung, dass wir uns das nicht bieten lassen sollten. Ich bin einfach nicht damit einverstanden, wenn Menschen den Begriff der Charismata (zu deutsch: „Gnadengaben“) nur auf eine spezielle Ausprägung oder sogar nur auf deren Missbrauch anwenden. Die Charismata werden überall dort wirksam, wo Menschen sich von Jesus in den Dienst nehmen lassen. Sie sind so unterschiedlich wie die verschiedenen Dienste, und keiner dieser Dienste kann ohne die zugehörige Gabe getan werden. In diesem Sinn meinte ich, dass wir alle Charismatiker sein müssen. Genauso ist es mit den Begriff evangelisch. Jede Kirche und Gemeinde muss das Evangelium in das Zentrum ihrer Verkündigung stellen, egal ob sie es im Namen führt oder nicht.

    Übrigens ist auch „katholisch“ so ein Kampfbegriff: Er bedeutet „das Ganze betreffend, allgemein gültig“ und sollte ursprünglich zeigen, dass es einen von Konfessionsgrenzen unabhängigen und weltumfassenden Leib Christi gibt. In diesem Sinne bin ich genauso Mitglied der katholischen Kirche wie Du, auch wenn ich (das muss ich zugeben) zur Organisation „katholische Kirche“ eher eine kritische Distanz wahre.

    Viele Missverständnisse kommen bekanntlich daher, dass man für die gleiche Bedeutung unterschiedliche Begriffe verwendet, oder die gleichen Begriffe mit unterschiedlicher Bedeutung füllt. Lass uns doch den gemeinsamen Kaffee auf dem Rastplatz dazu nutzen, ein paar Begriffe zu klären. Ich würde mich nicht wundern, wenn dabei genügend Gemeinsamkeiten herauskommen, dass wir uns in Zukunft auch ab und zu gegenseitig als Anhalter mitnehmen.


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