Restrisiko

25. Oktober 2009

Das „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ sammelte vor etwa einer Woche in Stuttgart so genannte Killerspiele. Es hatte dazu einen großen Container aufgestellt, in den man die Spiele werfen konnte, um sie der Vernichtung zuzuführen. Das Bündnis wollte damit auf seine Forderung nach demVerbot von „Computer-Killerspielen“ hinweisen.

Der unmittelbare Erfolg der Aktion war eher bescheiden, wie dieses Video zeigt:

Bis zum Ende der Aktion sollen es noch etwa zwei Dutzend Spiele geworden sein.

Ich möchte mich weiterer Häme enthalten, immerhin handelt es sich bei den Mitgliedern des Aktionsbündnisses um Angehörige der Opfer. Was die Aktion jedoch deutlich zeigt, ist die Hilflosigkeit, mit der auch und gerade die Betroffenen dem Phänomen Amoklauf gegenüberstehen.

Das Jahr 2009 hat uns bereits zwei Schul-Amokläufe gebracht, einen in Winnenden am 11. März und einen in Ansbach am 17. September. Beide haben nicht nur unsägliches Leid über die Opfer bzw. deren Hinterbliebenen gebracht, sie haben auch eine große Diskussion in der Gesellschaft angestoßen.

Amokläufe haben viel gemeinsam mit Terroranschlägen. Nicht nur dass sie meist geplant sind und häufig viele Opfer fordern. Beide Verbrechen richten sich in erster Linie gegen völlig unbeteiligte. Dass es unschuldige trifft, ist kein Versehen und auch kein Nebenprodukt der Tat. Nein, gerade das (weitgehend) wahllose Töten ist Programm, ist Kernpunkt des Tatgeschehens.

Das trifft allerdings unser Sicherheitsbedürfnis bis ins Mark. Wenn ganz normale Schüler an einer ganz normalen Schule fürchten müssen, ohne erkennbare Vorwarnung einfach so ermordet zu werden, kann sich keiner mehr sicher fühlen. Es ist, als wäre ein Stück Unschuld für immer verloren gegangen. Zurück bleibt Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Nüchtern betrachtet ist das natürlich Unsinn. Das Risiko, bei einem Amoklauf getötet zu werden, ist verschwindend gering. Die größten Gefahren für Leib und Leben dürften für Schüler der Straßenverkehr auf dem Schulweg mit sich bringen. An zweiter Stelle der Todesursachen in der Schule stehen entweder Drogen oder Suizid wegen Mobbing. Bei aller Dramatik und bei allem Respekt vor den Opfern gehören Amokläufe an deutschen Schulen in der Summe zu den kleineren Problemen.

Was uns dabei so sehr trifft, ist das Versagen der üblichen Verdrängungsmechanismen. Wir leben in einem Land, in dem die meisten Menschen im hohen Alter sterben, „alt und lebenssatt“, wie die Bibel das nennt. Das lässt uns leicht vergessen, dass Leben immer gefährdet ist. Und nebenbei verschiebt es unsere Prioritäten.

Die meisten von uns sind in der Gewissheit aufgewachsen, dass jeder einzelne Mensch zählt, und dass das Leben eines jeden einzelnen Menschen geschützt werden muss. Das ist wahr, aber keinesfalls selbstverständlich. Das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit steht an prominenter Stelle, nämlich in Artikel 2, Absatz 2, in unserem Grundgesetz. Bis dorthin hat es einen sehr langen Weg zurückgelegt. Und es ist längst noch nicht überall in unserer Gesellschaft angekommen. Es gibt immer noch Menschen, die gegen dieses Recht verstoßen, mehr noch, Menschen, für die dieses Recht nur einen geringen oder gar keinen Stellenwert hat. Zwar sind das immer weniger (die Fallzahlen sind bei den meisten Gewalttaten seit Jahren rückläufig), aber jeder Einzelfall ist natürlich einer zu viel. Das gilt auch und insbesondere für Amokläufe an Schulen.

Das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit ist ein hohes Recht, allerdings ist es nicht das höchste. Das sahen auch die Väter und Mütter des Grundgesetz so, die das Recht zur freien Entfaltung der Persönlichkeit, allen voran aber die Würde des Menschen und ihre Unverletzlichkeit noch vor Leben und körperliche Unversehrtheit gesetzt haben. Ein Gedanke, der gerade uns Christen keinesfalls fremd sein sollte, auch wenn wir es vielleicht anders formulieren, anders gewichten würden. Es gibt Überzeugungen und Werte, für die es sich zu sterben lohnt. Und es gibt Schicksale und Konsequenzen, die schlimmer sind als der Tod.

Menschen, die diese Ansicht berechtigterweise in die Tat umgesetzt haben, nennen wir Märtyrer. Und man muss kein Christ sein, um die Entscheidungen von Märtyrern zu respektieren und die dahinter verborgene Lebensleistung anzuerkennen. Aber man muss die Schranken des Wertes von Leben und körperlicher Unversehrtheit akzeptieren. Setzen wir diesen Wert absolut, degradieren wir den Märtyrer zum dummen Trottel, der seine Prioritäten auf fatale Weise nicht richtig zu setzen wusste.

Prioritäten: Der Begriff ist schon gefallen. Es geht um den Stellenwert von Werten und Überzeugungen. Es ist nun mal so, dass man persönlich und auch in der Gesellschaft immer wieder zwischen verschiedenen Rechten und Überzeugungen abwägen muss. Der Wert, alles Leben zu schützen, muss eine sehr hohe Priorität haben, aber er darf nicht die höchste haben. Mit anderen Worten: Es gibt Situationen, in denen wir in Kauf nehmen müssen, dass unschuldige Menschen sterben.

Hundertprozentige Sicherheit ist — wenn überhaupt — nur zum Preis von hundertprozentiger Unfreiheit zu erreichen. Das wird bei kaum einen Beispiel so deutlich, wie bei den Schul-Amokläufen. Gäbe es ein einfaches oder zumindest praktikables Mittel gegen diese Taten, es wäre längst umgesetzt. Aber zu unterschiedlich sind die einzelnen Fälle, zu unvorhersehbar die einzelnen Taten. Gerade in Ansbach wurde immer wieder betont, dass das Gymnasium Carolinum eigentlich gerade nicht der Typ Schule ist, an dem man eine solche Tat erwarten würde.

Natürlich sind manche Vorschläge und Vorstöße zum Thema in erster Linie durch Populismus geprägt. Aber gerade dem Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden kann dieser Vorwurf nicht gemacht werden. Wer kann mehr Interesse an echten, wirksamen Maßnahmen haben, als die Angehörigen der Opfer? Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, welchem Wertesystem die vorgeschlagenen Maßnahmen entsprungen sind.

Wir müssen uns mit dem Gedanken eines Restrisikos vertraut machen. Es werden weiterhin Menschen ohne eigenes Verschulden, ohne Vorwarnung, ja sogar in eigentlich sicherer Umgebung ihr Leben verlieren. Und der Preis für eine tatsächliche und effektive Beseitigung des Restrisikos wird objektiv zu hoch sein, auch und selbst wenn der Preis für das Opfer so extrem hoch ist. Jede ernsthafte Diskussion zu diesem Thema gleicht einer Gratwanderung, bei der sich auf beiden Seiten die Abgründe der Menschenverachtung auftun.

Noch viel wichtiger: Wir müssen uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass wir in diesem Kalkül jederzeit selbst Opfer werden können — und fast jederzeit selbst Täter. Es gibt keinen sicheren Platz, keine Nische, in die wir uns zurückziehen können. Wo immer wir über Sicherheit diskutieren, müssen wir über Restrisiken diskutieren. Darüber, welche Restrisiken wir bereit sind zu tolerieren und warum. Und auch wenn wir Restrisiken nicht akzeptieren, haben wir über die Gründe Rechenschaft abzulegen.

Die ergebnisoffene Diskussion über Restrisiken gehört dazu, wenn wir über die Vermeidung von Schul-Amokläufen reden. Auch wenn das für die Opfer und Hinterbliebenen bitter und schwer erträglich ist, und wir unbeteiligte gut daran tun, mit einem Höchstmaß an Takt und Einfühlungsvermögen vorzugehen. Die ergebnisoffene Diskussion über Restrisiken gehört auch dazu, wenn wir über viele andere Themen sprechen: über Terrorbekämpfung, über Kernkraft, über Mobilität. Sie berührt die Lebensbereiche aller Menschen. Sie gehört zum Alltag.

Es ist klug, wenn wir versuchen, die Restrisiken im Alltag zu verkleinern. Es ist unklug, die Restrisiken aus unserem Bewusstsein zu verbannen.

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7 Antworten to “Restrisiko”

  1. Mortipher Says:

    Vielen herzlichen Dank für einen der besten Artikel, den ich seit Langem lesen durfte. Die Argumentation ist in meinen Augen absolut schlüssig und einleuchtend.
    Wirklich hervorragend, ich hatte große Freude beim Lesen und Mitdenken.

  2. Mediin Says:

    Schön, endlich mal jemand zu begegnen, der das Thema auch versucht, ernsthaft, objektiv und parteilos zu analysieren. Das Diskutieren mit dir darüber stelle ich mir ähnlich interessant vor, wie das Lesen dieses Artikels. (Ich gestatte mir einmal das Duzen, da du es in „über den Autor“ auch tust.)

    Grüße
    Mediin

  3. Jonas Says:

    Danke für diesen Beitrag. 🙂

  4. Alrik Says:

    ein sehr guter Eintrag.

    ein paar Anmerkungen:
    Aus dem Blickwinkel der Täter sind die Opfer keine Unschuldigen und auch kein zufälligen Opfer.
    Egal ob es sich bei den Täter um sogenannte Amokläufer oder Terroristen handelt.
    Liest man die erhaltenen Bekennerbriefe – etwa der des Amokläufers von Emsdetten oder die Pamphlete der RAF – wird man feststellen das die Opfer zu Tätern erklärt werden. Ihre Taten werden genau geschildert und damit erläuter warum sie den Tod verdienen, und warum ihre Ermordung damit zur moralisch gebotenen Tat wird.
    Man mag dies als krank ansehen, aber ich kann mich noch gut an den Hohn, den Spott und die klammheimliche Freude mancher Menschen ( die sich selbst als besonders pazifistisch und fortschrittlich einstufen ) nach dem Anschlag auf das WTC 2001 erinnern.

    Was die Maßnahmen gegen Amokläufe angeht, so lohnt es sich diese einmal zu nennen.
    Beispielsweise ein Verbot sogenannter Killerspiele.

    1.)
    Dazu müsste man erst einmal rechtsverbindlich definieren was ein Killerspiel ist.
    Da fängt schon die Schwierigkeit an, denn wenn man Spiele verbieten will die Gewalt gegen Menschen oder Tötungshandlungen simulieren ist die Frage berechtig ob man dann nicht erst recht auch Sportarten wie Boxen oder Fechten verbieten müsste, bei denen ganz real Gewalt ausgeübt und Tötungshandlungen geübt werden ?

    Aus der Sicht der Killerspiel-Kritiker hat die rechtsverbindliche Definition das Problem das die Hersteller solcher Spiele ihre Produkte entsprechend anpassen können um nicht vom Verbot erfasst zu werden („grünes Blut“, „Roboter“ statt „Menschen“).
    Einzige Lösung dafür wäre es, statt verbindlicher Rechtsnormen es „dem gesunden Menschenverstand“ des Richters zu überlassen was nun ein Verbotswürdiges Killerspiel ist und was nicht. Damit gäbe es auf der Seite der Hersteller und Händler eine Rechtsunsicherheit, da sie jederzeit damit rechnen müssen angeklagt und verurteilt zu werden, selbst wenn sie sich an die Bestimmungen des Jungendschutzgesetzes halten.

    2.)
    Ein solches Verbot müsste auch kontrolliert werden.
    Im Bereich des Handels ist das kein Problem, aber heute kann man sich problemlos illegale Kopien jeden digitalen Gutes aus dem Internet herunterladen.
    Bislang ist es so, das man als Nutzer einer illegalen Kopie eines Spiels Nachteile hat, so ist es meist nicht möglich auf einem Großteil der Multiplayerserver zu spielen.
    Sind solche Spiele in Deutschland illegal ( womit auch diese Server illegal wären ) entfällt dieser Nachteil.
    Minimal wäre also eine Überwachung des Internets nötig, um solche illegalen Downloads zu unterbinden und zu bestrafen.
    Nicht zivilrechtlich wie es heute die Industrie macht (Abmahnung wegen Verstoß gegen das Urheberrecht) sonder strafrechtlich durch den Staat wegen Verstoß gegen das „Killerspielverbot“

    3.)
    Damit ist es aber nicht getan. Wie schon vor 20 Jahren, zur Zeit der ersten Heimcomputer, werden heute noch illegale Kopien auf Datenträger (gebrannte DVD) getauscht.
    Manchmal sogar auf dem Schulhof, im Schulbus oder im Klassenzimmer, oder nach Schulschluß im Kinderzimmer wenn man seinen Schulfreund besucht.
    Das könnte man nur durch Denunzianten aufdecken.

    Zusammenfassung:
    1.) Wir brauchen eine Strafrechtsreform die wieder den „gesunden Menschenverstand“ des Richters zum Mittelpunkt der Rechtssprechung macht.
    Nur so können wir die nötig Rechtsunsicherheit erzielen, um Handel und Hersteller aus Furch vor Strafverfolgung vom Geschäft mit „Spielen (Bücher, Filmen, Musik ?)für Erwachsene“ abzuhalten.

    2.) Wir müssen die Internetgewohnheiten jedes Mitbürgers überwachen, um ihm schon für den Versuch „Killerspiele“ zu besorgen bestrafen zu können.

    3.) Um die Weitergabe von Datenträgern zu unterbinden müssen wir Kinder und Erwachsene dazu anhalten ander Kinder oder Erwachsen zu denunzieren.
    Der Denunzierte muß bestraft, der Denunziant belohnt werden.

    Alle drei Punkte sind IMHO mit unserer freiheitlich demokratischen Rechtsordnung nicht vereinbar.
    Allerdings bin ich mir sicher, das sich genügend Menschen finden werden, die bereit sind diesen Maßnahmen zuzustimmen, „solange damit nur ein Amoklauf verhindert wird“.

  5. wesenderdinge Says:

    Zunächst mal vielen Dank an alle für die netten Kommentare.

    Ich denke wir sollten gar nicht erst über die Machbarkeit eines Verbotes reden, bevor wir uns nicht über die Frage der Wirksamkeit im Klaren sind. Ich glaube nicht, dass ein Zurückdrängen (egal in welcher Form) von Ego-Shootern das Risiko von Amokläufen wirklich reduziert. Im Gegenteil, ich kann mir gut vorstellen, dass viele frustrierte Jugendliche diese Spiele als Ventil brauchen, um ihre angestauten Aggressionen loszuwerden. Nimmt man ihnen dieses Ventil, lassen sie diese Aggressionen vielleicht an realen Menschen aus.

    Ich bin selbst kein Experte auf diesem Gebiet, deshalb kann ich nur vermuten. Ich misstraue nur der gängigen Meinung, dass gewaltdarstellende Spiele zwangsläufig die Gewaltbereitschaft insgesamt steigern.

    Insgesamt habe ich den Eindruck, dass es bei der Killerspiel-Debatte (zumindest auf der Seite der Verbots-Befürworter) eigentlich um Fragen des „guten Geschmacks“ geht. Ich kann das nachvollziehen. Ich finde manches, was ich so an Szenenfotos und -videos aus Spielen gesehen habe, als abstoßend und widerlich. Aber man kann doch Geschmacksfragen nicht zum Gegenstand einer Verbotsdebatte machen. Die ganze Debatte hat eine gewisse Nähe zur Kunstzensur. Darf ich an dieser Stelle auf meinen Artikel Geistliche Musik hinweisen, der zwar ein ganz anderes Thema, aber ähnliche Grundgedanken verfolgt?

    Ich glaube, dass es gerade zur Vermeidung von Amokläufen kontraproduktiv ist, wenn man versucht, den Jugendlichen die Erwachsenenkultur überzustülpen. Das vertieft nur die kulturellen Gräben. Dabei muss es eher das Ziel sein, diese Gräben zu überwinden, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.

    Ich weiß, dass das ein hartes Brot ist. Ich habe mich lange Zeit ehrenamtlich als Jugendkreisleiter betätigt, weiß also ein bisschen, was das bedeutet. Auch wenn ich nicht glaube, dass ich jemals einen ernsthaft gefährdeten Jugendlichen in meinem Kreis hatte. Ich glaube aber, dass diese persönliche Ebene — so schwierig und mühsam sie ist — immer noch die besten Chancen zur Vermeidung von Amokläufen bietet. Leider kann man sie nicht von oben vorschreiben oder als Punkt auf der Agenda abhaken.

  6. Alrik Says:

    Auf Seiten der Kritiker wird kein Gedanke an die Wirksamkeit eines solchen Verbotes verschwendet.
    Die Wirksamkeit wird als gegeben betrachtet.

    Abweichende Meinungen werden zum Teil mit dem Einfluss eines militärisch-medialen-industriellen Komplexes auf Forschung, Medien und Politik erklärt.
    Die Befürworter des Verbots beziehen sich auf Befürworter, zum Teil entstehen regelrechte Reigen.
    Hopf zitiert Fromm, Fromm zitiert Pfeiffer, Pfeiffer zitiert Hopf…

    Und natürlich kann man Geschmacksfragen zum Gegenstand einer Verbotsdebatte machen. Sie sind es IMHO in jeder Verbotsdebatte gewesen, egal ob es um „Killerspiele“, „Negermusik“, „Schundromane“ oder „entartetet Kunst“ ging.
    Typisch ist dabei schon die Verwendung abwertender Begriffe für das Objekt das verboten werden soll.
    Ganz gezielt wird dann damit argumentiert das „kein vernünftiger Mensch so etwas braucht“ oder das „der gesunde Menschenverstand schon einem sagt das“ womit dem Diskussionspartner von Anfang an unterstellt wird unvernünftig oder geistig labil zu sein.
    Zum Teil werden auch ohne jede Scham unpassende Vergleiche mit dem Konsum von Kinderpornographie und deren schädlichen Folgen für den Konsumenten (ja!) gemacht oder mit Verschwörungstheorien konstuiert um dafür anfällige Menschen zu ködern.

    Wenn am Stammtisch solche rhetorischen Tricks verwendet werden denke ich mir nichts dabei, wenn sie von medienerfahrenen Personen mit Politischem Amt oder Hochschullehrstuhl kommen gehe ich davon aus das dieses Mittel der Manipulation bewusst gewählt wird.

    Aus meinen Blickwinkel dreht sich deshalb die Diskussion um ein Verbot von „Killerspielen“ nicht um Jugendschutz oder um die Verhinderung von Amokläufen oder Jugendgewalt.
    Sonder es IMHO geht ganz klar darum durch staatliche Verbote eigene ethische Vorstellungen für Allgemeinverbindlich erklären zu wollen.
    Und dazu geht man zur Not auch über die Leichen die ein Amokläufer hinterlassen hat.

    Als „Killerspiele“ werden in den Medien hauptsächlich Spiele genannt die gemäß dem Jugendschutzgesetz Kindern und Jugendlichen unter 16 oder 18 Jahren nicht zugänglich gemacht werden dürfen.
    Aus denselben Gründen warum man erst ab 16 oder 18 Bier bzw. Schnaps trinken darf.

    Es handelt sich also um „Spiele für Erwachsene“, und bei „Verbot von Killerspielen“ geht es darum auch Erwachsenen zu verbieten Spiele zu kaufen die speziell für ihren Geschmack hergestellt wurden.
    Mit der Begründung das dies notwendig ist, um die Kinder vor diesen Spielen zu schützen.
    Mit der gleichen Begründung könnte man ein totales Alkoholverbot fordern, und in Hinblick auf regelmäßige Meldungen über Alkoholexzesse von Minderjährigen sicherlich mit mehr Berechtigung.

    Der C64 ist 1986 erschienen, DOOM 1993, Counterstrike 1999. Viele Menschen die damals mit dem Hobby Videospiel angefangen haben spielen heute noch und sind zwischen 30 bis 40 Jahre alt, also Erwachsen.
    Es geht nicht darum Kindern die Erwachsenenkultur überzustülpen. Für manche Erwachsene sind Computerspiele Teil der Erwachsenenkultur.
    Es geht darum wie verhindert werden kann das Kinder mit Teilen der Erwachsenenkultur in Berührung kommen, für die sie nicht alt genug sind.
    Totalverbot sind da die falsche Lösung, da es zum Prozess des Erwachsenwerden dazu gehört Grenzen zu überschreiten. In vielen Familien ist es Tradition das Jugendliche langsam in die Welt der Erwachsenen herangeführt werden.
    Wer kann sich nicht daran erinnern, wie er das erste Mal mit Billigung der Eltern an einem Glas Wein oder Bier nippen oder eine von Vatis Zigaretten rauchen durfte?
    In den seltensten Fällen ist man damals so alt gewesen, wie es der Gesetzgeber vorgesehen hatte…

    Einige Spieler in meinen Freundeskreis haben bereits Kinder im Alter zwischen 10 und 18.
    Keiner davon hat Probleme damit seinem Kind zu verbieten Papis Spiele (die meistens ab 16 oder 18 freigegeben sind) zu spielen.
    Die meisten dieser Kinder haben auch Spiele, die für ihr Alter freigegeben sind.
    Auch hier wird der Nachwuchs von den Eltern langsam an die Welt der Erwachsenen herangeführt, etwa indem der 15 jährige Sohn unter väterliche Aufsicht eine Runde Counterstrike (ab 16) spielen darf.

    Immer wieder wird das Argument gebracht das niemand Spiele mit Blut und Gewalt braucht.
    Doch, wir brauchen das. Jeder Erwachsene Mensch braucht das.
    So wie wir Filme, Bücher und auch Musik brauchen, die sich mit Gewalt beschäftigen und die Folgen realistisch schildern.
    Als ich noch ein Kind gewesen bin habe ich Mantel und Degen-Filme, Western und Piratenabenteuer geliebt. Die Gewalt in ihnen ist harmlos gewesen, kein Blut und jeder Tote starb ohne Schmerz.
    Aber ich bin älter geworden.

    Inzwischen bin ich Erwachsen. Ich kann mir vorstellen was ein Degen, die Kanonen eines englischen Linienschiffes, der Pfeil eines Indianers oder der Colt eines Cowboys mit dem menschlichen Körper anrichten können.
    Wenn ich ins Kino gehe, dann in einen Film der dies auch zeigt. Nicht übertrieben, nicht verharmlosend.

    Und so ist es mit den Spielen. Wenn ich in FarCry (ab 18) ein Feuergefecht mit einem Räuber überlebe erwarte ich das ich an seiner Leiche auch die Spuren des Kampfes finde.
    (Ich erwarte das übrigens auch an meinen eigenen, virtuellen Ich).
    Nicht weil ich mich an Blut und Zerstörung berauschen will, sondern weil alles andere unrealistisch ist und damit die Illusion zerstört sich innerhalb einer fiktiven Welt zu bewegen.

    Manche Kritiker haben auch ein Problem damit das man in manchen Spielen in die Rolle eines Kriminellen schlüpft und Taten begehen kann die in der Realen Welt in den Bereich Kriminalität fallen.
    In der GTA Reihe ( ab 18, in der man meist einen Gangster spielt) kann man Fahrer aus Autos ziehen die an der Ampel warten, den Fahrer verprügeln und das Auto stehlen.
    Im Regelfall führt das dazu das man von der Polizei verfolgt wird und diese mühsam abschütteln muß.
    In der Wunschrealität der Kritiker ist das vermutlich nicht möglich, da greift schon bei der bloßen Formulierung eines bösen Gedankens die Polizei ein und verhindert das schlimmste. Da die Umsetzung dieses Wunschtraums an der menschlichen Natur scheitert soll er zumindest in virtuellen Welten wie Computerspielen ( und Krimis ? ) durchgesetzt werden.
    IMHO haben diese Kritiker ein Problem mit dem freien Willen, der Teil der menschlichen Natur ist.

    Was die These angeht das aggressive Spiele Ventil für Aggressionen sind teile ich sie nicht.
    Das ironische ist, das man in angeblich aggressiven Spielen mit aggressiven Emotionen nicht weit kommt.
    In den asiatischen Kampfsportarten ist es ein Ziel im Training (und im Ernstfall) einen Zustand der inneren Ausgeglichenheit zu erreichen.
    In diesen Zustand handelt man ohne Emotionen und ohne bewusstes Nachdenken.

    Einen ähnlichen Zustand erreiche ich beim Spielen eines Egoshooters. Wer mit Wut im Bauch die Finger auf WASD und die Maus legt verliert.
    Er verliert und wird dadurch noch wütender.
    Ganz besonders schlimm wird dies wenn man mit und gegen andere Menschliche Mitspieler spielt, was eigentlich den Reiz der Egoshooter ausmacht.

    Es geht nicht darum möglichst viele Gegner virtuell zu töten, sondern mit einem Team aus 8, 16 oder sogar 32 Mitspielern die man meist persönlich kennt gegen 8, 16 oder 32 andere Menschen zu spielen die mindestens genauso gut sind wie man selbst.
    Die meisten anderen Computerspiele bieten diese Teamerlebnis nicht.
    In Rennspielen geht es jeder gegen jeden, Strategie & Sportspiele erlauben weniger Mitspieler. Onlinerollenspiele sind komplizierter zu erlernen und erfordern mehr Zeit.

    Kleine interessante Linksammlung zur Art und Weise wie die Diskussion über Killerspiele geführt wird:

    http://www.gwg-ev.org/cms/cms.php?print=1&textid=1384

    http://www.csu-landtag.de/abg/herrmann/page_1185.asp


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