Bischof auf Bewährung

28. Oktober 2013

Vor einigen Tagen entschied Papst Franziskus, dass der Limburger Bischof „eine Zeit außerhalb der Diözese“ verbringen solle. Eine kluge und vielleicht auch ein wenig grausame Entscheidung.

Klug weil der Papst damit einer klerikalen Dolchstoßlegende vorbeugt. Der arme Bischof von einer „Medienkampagne“ erdolcht, die Vorwürfe eine „Erfindung von Journalisten“. So hat sich schon Erzbischof Müller geäußert, und so würden viele konservative Kräfte den ganzen Skandal liebend gerne betrachten.

Die Auszeit eröffnet die Möglichkeit, Vorwürfe durch Fakten zu ersetzen, bevor endgültige Entscheidungen getroffen werden. Da ist der von der Staatsanwaltschaft Hamburg beantragte Strafbefehl wegen falscher eidesstattlicher Erklärung, über den das zuständige Gericht noch nicht entschieden hat. Da sind die Strafanzeigen wegen Untreue, zu denen die Staatsanwaltschaft Limburg noch nicht einmal entschieden hat, ob überhaupt Ermittlungen aufgenommen werden. Und da ist natürlich noch die Prüfungskommission der Deutschen Bischofskonferenz, die erst kürzlich ihre Arbeit aufgenommen hat.

Dass die Medien sich auf jeden neuen Vorwurf und jedes neu bekannt gewordene Detail stürzt, ist ihr Recht und ihre Aufgabe. Der Papst hat sich das Recht genommen und es sich zur Aufgabe gemacht, im Fall Tebartz-van Elst erst dann zu entscheiden, wenn die Fakten offenkundig auf dem Tisch liegen. Das ist nicht nur klug, das ist auch ehrenwert.

Ein wenig grausam ist dies für das betroffene Bistum und die Mitarbeiter dort. Nach Monaten des Chaos kommen Monate in der Schwebe. Das sind keine schönen Aussichten. Leider gibt es in Krisen selten einfache Auswege. Die Bistumsmitarbeiter sind die Hauptleidtragenden, müssen aber gerade deshalb ihren Teil zur Aufarbeitung des Skandals beitragen. Wer will es ihnen verdenken, wenn sich da auch manches an Groll und Bitterkeit aufgestaut hat. Aber Groll und Bitterkeit können sehr hinderlich sein, wenn man im Weinberg des Herrn arbeiten will.

Kommen wir zur Hauptfigur des Skandals. Als Bischof vom Papst auf Eis gelegt zu werden, ist kein schönes Erlebnis, zumal Tebartz-van Elst jetzt aus der Ferne beobachten muss, was andere — Staatsanwaltschaften, Kommissionen, Bistumsmitarbeiter und nicht zuletzt der neue Generalvikar Rösch — aus seinem Lebenswerk machen. Im Bistum wird laut Spiegel Online bereits darüber nachgedacht, die Bischofsresidenz als Obdachlosenheim und Suppenküche zu benützen.

Eine besondere Bedeutung kommt wohl Wolfgang Rösch zu, den Tebartz-van Elst selbst für die Aufgabe des Generalvikar ausgesucht hat. Als Vertreter des Bischofs kann er diesem aus erster Hand davon berichten, wie man im Bistum den Führungsstil Tebarts-van Elsts empfindet. Und als Vertrauter des Bischofs hat sein Wort mehr Gewicht als alle Kritik in den Medien.

Eigentlich sehr gute Voraussetzungen für das, was Tebarts-van Elst jetzt am dringendsten braucht: Dass er sich von Gott den Stolz brechen und Demut lehren lässt. Denn ich vermute, dass nur ein von Grund auf veränderter Mensch Tebarts-van Elst noch eine Chance hat, weiterhin Bischof Tebarts-van Elst zu sein. Und sage bitte keiner, dass das nicht möglich ist. Vielleicht nicht nach menschlichem Ermessen, aber für Gott ist das Alltag. Menschen von Grund auf zu verändern — das macht Gott jeden Tag.

Wer jetzt mit Häme und Schadenfreude an den Bischof auf Eis denkt, hat den Sinn des Ganzen noch nicht verstanden. Denn Stolz brechen und Demut lehren gehören fest zu Gottes Ausbildungsprogramm für jeden von uns. Und wer sich über Tebartz-van Elst überhebt, beweist damit nur, dass er dieses Ausbildungsprogramm besonders nötig hat. Ein bisschen Tebartz-van Elst steckt in jedem von uns — Sowohl was die Krankheit als auch was deren Heilung betrifft.

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