In der Nähe von Genf wird in wenigen Wochen das bisher größte naturwissenschaftliche Experiment der Menschheit starten. Es handelt sich um einen Teilchenbeschleuniger, also um ein Gerät, dass Elementarteilchen mit extrem viel Bewegungsenergie versieht und dann aufeinander schießt. Der neue Beschleuniger wird in der Lage sein, Protonen auf 14 TeV zu beschleunigen.

14 TeV? Bahnhof? Da wohl nicht jeder eine anschauliche Vorstellung von der Energieeinheit Elektronvolt (Abkürzung eV) haben dürfte, muss ich hier etwas ausholen. Protonen und andere Elementarteilchen sind ja bekanntlich recht winzig. Deshalb muss man, wenn man mit Protonen arbeiten will, auch mit sehr geringen Energiemengen rechnen können. Dafür ist die gesetzliche Energieeinheit Joule einfach zu groß und zu unpraktisch. Der Elementarteilchenphysiker rechnet in eV und ist glücklich damit.

Der Nichtphysiker braucht erst mal einen Größenvergleich. 14 TeV, also 14 Teraelektronvolt oder 14 Billionen Elektronvolt entspricht etwa 2,2 µJ, also 2,2 millionstel Joule. Damit ließe sich eine Armbanduhr etwa 2 Sekunden lang betreiben. Das klingt nach nicht viel, was daran liegt, dass wir uns nicht vorstellen können, wie winzig ein Proton ist.

So hat z. B. ein einzelnes Stickstoffmolekül bei Raumtemperatur eine Wärmeenergie von gerade mal 0,03 eV. Ein Photon des sichtbaren Lichtes liegt bei etwa 2 eV. Chemische Reaktionen liefern ähnlich große Energien.

Wesentlich größer sind die Werte bei der Kernenergie. Bei einer einzelnen Kernspaltung, wie sie z. B. in Kernkraftwerken auftritt, werden insgesamt 200 MeV, also 200 Millionen Elektronvolt frei. Weil der gespaltene Uran- oder Plutoniumkern aber sehr schwer ist, verteilt sich diese Energie auf weit über 200 einzelne Elementarteilchen. Die größte Einzelenergie finden wir bei der Kernfusion, wie sie ständig in der Sonne stattfindet und mittlerweile auch unter kontrollierten Bedingungen auf der Erde möglich ist. Hier bekommt ein einzelnes Neutron, das etwa genau so groß und schwer wie ein Proton ist, eine Energie von 14 MeV.

Zur Erinnerung: Der neue Teilchenbeschleuniger wird 14 TeV erreichen. Das ist eine Million mal die Energie, die bei einer Kernfusion frei wird. Vielleicht wird jetzt etwas anschaulicher, was diese Energie für ein einzelnes Proton bedeutet.

Der Aufwand der dafür betrieben wird, ist enorm. Die Protonen laufen in einem Ring mit 27 Kilometern Umfang. Extrem kräftige, supraleitende Elektromagnete zwingen sie, auf der Kreisbahn zu bleiben. Damit das funktioniert, muss die ganze Apparatur auf –271 °C abgekühlt werden. Für den Beschleunigerring und die zugehörigen Messapparaturen wurden und werden insgesamt mehr als drei Milliarden Euro investiert.

Da fragt man sich doch: Wozu das Ganze?

Nun, im Grunde ist die ganze Elementarteilchenphysik zur Zeit in einer recht unangenehmen Lage. Man hat in den vergangenen Jahrzehnten an vielen Experimenten unglaublich viel über die Elementarteilchen, und damit über die Struktur der Materie an sich gelernt. Zuerst sah die Sache ja recht übersichtlich aus. Es gab die Elektronen, die Protonen und die Neutronen, dazu noch die Photonen als Vermittler elektromagnetischer Kräfte. Die Forschung ging aber weiter, und im Laufe der Zeit kamen Neutrinos dazu, verschiedene Myonen und Mesonen und noch einige Teilchen mehr. Später konnte man in den Protonen und Neutronen eine Substruktur aus Quarks entdecken. Diese ließen sich wiederum zu neuen, noch unbekannten Teilchen zusammensetzen. Je genauer man hinschaute, desto unübersichtlicher wurde die Situation. Ein Fass ohne Boden. Man brauchte eine neue Vorstellung der Materie an sich.

Um wirklich zu verstehen, was die modernen Elementarteilchenphyiker so treiben, bräuchte man ein solides Verständnis einiger recht skurriler Bereiche der modernen Mathematik. Da ist viel von irgendwelchen Gruppen und Eichgruppen die Rede, und von Symmetrie und Symmetriebrechung. Diese Kenntisse habe ich nicht. Aber aus einer Reihe von populärwischenchaftlichen Büchern und Artikeln ist ein gewisser Eindruck bei mir hängen geblieben, den ich im Folgenden mal skizzieren möchte — auch auf die Gefahr hin, dass ich falsch liege:

Die Materie ist, so wird angenommen, vergleichbar einem großen See. Wenn viel Wasser da wäre, will sagen, wenn überall viel Energie wäre, hätten wir einen schönen, großen und zusammenhängenden See, also eine schöne gleichmäßige Struktur der Materie vor uns. Allerdings ist das Energieniveau im Universum so niedrig, dass wir einen fast ausgetrockneten See vor uns haben. Es sind nur einzelne Pfützen übrig, will sagen, die Materie besteht fast ausschließlich aus ein paar wenigen Typen von Elementarteilchen. Der niedrige „Wasserstand“ hat auch zur Folge, dass der „See“ an Materie nicht schön gleichmäßig verteilt ist, sondern sich an wenigen Stellen sammelt. Die Materieverteilung im Universum ist recht ungleichmäßig und „klumpig“

Wenn sich bei einem fast ausgetrockneten See bestimmte Pfützen bilden, dann nicht deshalb, weil es bevorzugte Formen von Pfützen gibt, sondern weil der See eine bestimmte Struktur hat und die Form und Größe der letzten übrig gebliebenen Pfützen vorgibt. Und wenn unser Universum in weiten Teilen aus Protonen, Neutronen und Elektronen besteht, dann nicht deshalb, weil diese Teilchen etwas besonderes sind, sondern weil die Materie als Ganzes eine Struktur hat, die bei geringer Energie zu solchen Ausprägungen führt.

Über den Materie-See bei niedrigem Wasserstand (also bei niedrigem Energieniveau) wissen die Naturwissenschaftler schon sehr viel. Und natürlich machen sie sich seit Jahrzehnten Gedanken darüber, wie der See denn als Ganzes aussehen könnte, so dass er bei Niedrigwasser genau die bekannten Strukturen hervorbringt. Dummerweise sind sie auf zahlreiche verschiedene Theorien gekommen, die sich teilweise widersprechen. Und dummerweise kann man nur unterscheiden, welche von diesen Theorien richtig ist, wenn der Wasserstand hoch ist. Das ist die (unangenehme) Lage der Elementarteilchenphysik zur Zeit.

Das ist aber genau das, worum es bei dem neuen Teilchenbeschleuniger gehen wird. Der Teil des Materie-Sees, den man darin beobachtet, wird winzig sein. Aber für diesen winzigen Teil wird der Wasserstand so extrem hoch sein, dass man endlich mal wieder etwas Neues erkennen kann.

Mit einer dieser möglichen neuen Erkenntnisse ist das Projekt in letzter Zeit besonders populär geworden. Manche der beteiligten Wissenschaftler glauben nämlich, dass die Energie ausreicht, um winzige Schwarze Löcher zu erzeugen.

Ein Schwarzes Loch entsteht, wenn Materie so sehr zusammengepresst wird, dass sie sich hinter ihrer eigenen Schwerkraft verstecken kann. Die innere Struktur — falls noch eine existiert — ist dann von außen vollkommen unsichtbar. Das Schwarze Loch ist nur über seine Wirkung auf andere Objekte in der Nähe zu erkennen.

Im Grunde sind Schwarze Löcher die langweiligsten Objekte des Universums. Sie haben eine Masse, eine Ladung und einen Drehimpuls. Damit sind sie vollständig beschrieben. Keine weiteren Eigenschaften. Interessant sind sie für die Wissenschaftler nur, weil durch die extreme Schwerkraft Effekte sichtbar werden, die man sonst nicht beobachten kann. In der unmittelbaren Umgebung des Schwarzen Loches kann sehr viel Energie frei werden. Hoher Wasserstand sozusagen. Nur um die Größenordnung zu verdeutlichen: Um aus der Erde ein Schwarzes Loch zu machen, müsste man sie auf 18 mm Durchmesser verdichten.

Das Schwarze Loch im Teilchenbeschleuniger wäre noch viel, viel kleiner. Und das ist das Spannende: Eigentlich wäre es zu klein. Nach den herkömmlichen Regeln gibt es eine Mindestgröße für Schwarze Löcher. Und um die zu erreichen, müsste der Teilchenbeschleuniger noch mal eine Billion mal mehr Energie auf die Protonen packen können. So ein Gerät wäre vermutlich so groß wie unser Sonnensystem.

Die herkömmlichen Regeln sind die der allgemeinen Relativitätstheorie und der Quantenmechanik, nach denen es fünf schön glatte und weiträumige Dimensionen gibt. Aber warum sollte mit fünf Dimensionen Schluss sein? Viele Naturwissenschaftler gehen davon aus, dass es noch ein paar Dimensionen mehr gibt, die aber ganz eng zusammengefaltet sein müssen. Das Schwarze Loch könnte sich dann sozusagen in diese Falten einwickeln und durch einen wundersamen mathematischen Trick doch größer erscheinen, als es ist. Dadurch könnte die Mindestgröße für Schwarze Löcher wesentlich kleiner sein als bisher gedacht. Klein genug für den neuen Teilchenbeschleuniger.

Um im Bild zu sprechen: Man möchte wissen, ob die Oberfläche des Materie-Sees schön glatt oder ein wenig gekräuselt ist. Dass kein großer Wellengang möglich ist, wissen wir schon auf Grund der Beobachtungen bei den Pfützen. Die zusätzlichen Dimensionen können nicht weiträumig ausgebreitet sein. Aber kleine Unebenheiten sind nach den bisherigen Erkenntnissen möglich. Winzig kleine Wellen sozusagen, die dennoch die Oberfläche des Sees entscheidend vergrößern könnten. Und wenn im Teilchenbeschleuniger Schwarze Löcher nachgewiesen werden können, muss es diese Kräuselungen, diese zusätzlichen Dimensionen geben.

Manche Wissenschaftler behaupten nun, so ein schwarzes Loch auf der Erde könne gefährlich werden. Es könne anfangen, weitere Materie in sich aufzunehmen, und schließlich die ganze Erde zerstören. Dieser Einwand verdient natürlich, ernst genommen zu werden. Und er wird auch ernst genommen. Das Problem ist, dass man schon einen sehr tiefen Einblick in die modernen Physik braucht, um die verschiedenen Argumente und Berechnungen verstehen, geschweige denn nachprüfen zu können. Denn es wird auf der einen Seite immer Wissenschaftler geben, die ihr eigenes Lieblingsprojekt schön rechnen. Und auf der anderen Seite wird es immer Wissenschaftler geben, die bereitwillig Katastrophenszenarien entwerfen, wenn sie damit in die Zeitung und ins Fernsehen kommen. Eine wirkliche Meinung kann man sich als Laie eigentlich nicht bilden.

Aus meiner laienhaften Sicht nur so viel: Zuerst muss es mal zu einem Schwarzen Loch kommen. Selbst wenn es diese zusätzlichen Dimensionen gibt, heißt das nicht automatisch, dass sie die Existenz von so kleinen Schwarzen Löchern ermöglicht. Wenn es nun zum Schwarzen Loch kommt, geht man davon aus, dass es instabil ist und augenblicklich zu Strahlung zerfällt. Die Wissenschaftler erwarten, dass sie nur an der speziellen Verteilung dieser Strahlung erkennen können, dass es für einen winzigen Bruchteil einer Sekunde ein Schwarzes Loch gegeben hat. Wenn sich jetzt diese Wissenschaftler alle irren und das Schwarze Loch stabil bleibt, dann wird es die Erde sofort verlassen. Die Bewegungsenergie, die es dazu braucht, ist absolut winzig gegenüber dem Energieniveau im Teilchenbeschleuniger. Dass das Schwarze Loch nach seiner Entstehung so langsam ist, dass es im Schwerefeld der Erde gefangen bleibt, ist so extrem unwahrscheinlich, dass man den Fall vernachlässigen kann. Und selbst wenn es wider alle Erwartungen doch entsteht, stabil ist und hier bleibt, gehen viele Wissenschaftler davon aus, dass es immer noch viele hunderte Millionen oder gar Milliarden Jahre dauern wird, bis es genügend Schaden angerichtet hätte, dass wir das spüren würden. Bis dahin hätte die wachsende Sonne längst alles Leben auf der Erde unmöglich gemacht. Mit anderen Worten: Wenn uns so ein Schwarzes Loch gefährlich würde, hätten die Mehrheit der beteiligten Physiker gleich in mehreren wichtigen Punkten grundlegend daneben gelegen. Bei aller Fehlbarkeit der Wissenschaft scheint mir das dann doch etwas zu weit her geholt.

Ich persönlich würde mir über die Schwarzen Löcher in einem Labor in der Nähe von Genf keine Sorgen machen. Es gibt so viele andere Ereignisse, die alles menschliches Leben auf diesem Planeten vernichten könnte. Nicht zuletzt haben wir es vor etwa einem halben Jahrhundert erreicht, dass wir so ein Ereignis auf Knopfdruck selbst erzeugen können. Laut Wikipedia gab es im Kalten Krieg mindestens 20 sehr gefährliche Ereignisse, die einen Atomkrieg hätten auslösen können. Und das Arsenal an Kernwaffen hat immer noch — umgerechnet auf die komplette Menschheit — eine Sprenkraft von mehr als einer Tonne TNT pro Person. Angst vor einem Schwarzen Loch mit weniger als einem Millijoule Energie? Wenn wir sonst keine Sorgen haben …

Bleibt die Frage nach dem Aufwand: Warum investiert man Milliarden, nur um ein paar zusätzliche, eng zusammengefaltete Dimensionen zu entdecken? Nun, dazu fallen mir schon ein paar Gründe ein.

Als erstes fällt bei ambitionierter Grundlagenforschung immer etwas für den technischen Alltag ab. Ohne die Erfahrungen mit den Teilchenbeschleunigern wären manche moderne diagnostische Verfahren in der Medizin wohl nicht entstanden. Und die alten Teilchenbeschleuniger, die für die Grundlagenforschung nicht mehr benötigt werden, sind alle noch im Betrieb. Man hat nämlich festgestellt, dass dabei eine besonders reine Form von Strahlung entsteht. Für die Elementarteilchenphysiker eher ein Abfallprodukt, für die Entwicklung neuer, hochbelastbarer Werkstoffe eine große Hilfe.

Außerdem wurde schon des öfteren selbst die abgehobenste Grundlagenforschung wenige Jahrzehnte später zum technischen Alltag. Ohne Einsteins allgemeine Relativitätstheorie wäre eine genaue Positionsbestimmung per GPS heute nicht möglich. Und wer seine Daten auf einem USB-Stick speichert, vertraut sie einem quantenmechanischen Effekt an. Das war alles in den zwanziger Jahren, als diese Theorien im naturwissenschaftlichen Elfenbeinturm entstanden, nicht absehbar.

Und schließlich: Sind die Geheimnisse der Natur nicht dazu da, erforscht zu werden? Gott hat uns Menschen mit einem unbändigen Forscherdrang und die Natur mit einer selbst in kleinstem Maßstab höchst komplexen und immer wieder überraschenden Struktur ausgestattet. Warum sonst, als dass wir mit dem einen das andere entdecken sollten? Wer in bisher unbekannte Strukturen der Materie vordringt, enthüllt zugleich bisher unbekannte Gedanken Gottes. Wir sollten nicht den Fehler machen, in der Struktur der Materie nach theologischer Relevanz zu suchen, oder sogar nach einem Gottesbeweis oder ähnlichem Blödsinn. Aber bisher hat fast jede Erkenntnis der Naturwissenschaft das Staunen der Wissenschaftler vergrößert. Das sagt doch auch etwas über Gott aus, oder?

Wie die Rekorddiskussion bei meinem Lieblingsblogger zeigt: Die Frage nach Evolution und Schöpfung bewegt die Gemüter.

Die Auseinandersetzung wird von beiden Seiten zuweilen mit geradezu religiösem Eifer geführt. Denn nicht nur der Kreationist sieht seinen Glauben angegriffen, auch auf „evolutionistischer“ Seite sieht mancher Wissenschaftler nicht nur die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Arbeit sondern vielmehr die vermeintlich oder tatsächlich dieser Arbeit zu Grunde liegende Weltsicht in Frage gestellt. Grund genug für einen persönlichen Blick darauf, was Naturwissenschaft zu leisten in der Lage ist und was nicht.

Jede naturwissenschaftliche Tätigkeit geht von der Grundannahme aus, dass sich alle Vorgänge in der Natur nach den immer und überall gleichen einfachen und erkennbaren Regeln abspielen, so dass die Kenntnis dieser Regeln nachprüfbar zutreffende Vorhersagen ermöglicht. Das klingt trivial, weil jeder von uns täglich mit solchen Regeln und Vorhersagen umgeht. Der Erfolg, mit dem die Physik mittlerweile mehr oder minder die ganze Welt mit einigen wenigen Grundtheorien und -annahmen erklärt, ist jedoch höchst bemerkenswert.

Die Erfolgsgeschichte der Naturwissenschaften in den letzten Jahrhunderten ist zugleich eine Erfolgsgeschichte dieser Grundannahme. Im Gegensatz zu unseren Vorfahren sind wir es (mit Recht) gewohnt, bei allen Vorgängen und Ereignissen, die wir nicht verstehen, erst mal nach möglichen natürlichen Ursachen zu suchen, also nach Ursachen, die diesen allgemeingültigen Regeln genügen.

Da mag man gern einen Schritt weitergehen. Wieso sollte man nicht davon ausgehen, dass alles, ausnahmslos alles, was geschieht, solchen Regeln gehorcht? Wieso sollte man nicht aus einer so außerordentlich erfolgreichen Methode oder Denkweise eine Weltanschauung machen? Nun, es gibt aus naturwissenschaftlicher Sicht keinen Grund, es nicht zu tun. Aus einem methodischen Naturalismus („Ich gehe davon aus, dass alles allgemeingültigen Naturgesetzen gehorcht.“) wird ein philosophischer Naturalismus („Es gibt nichts, das nicht den Naturgesetzen gehorcht.“). Schön und gut.

Jetzt kommen aber dummerweise wir Christen und reden von einem Gott, der über den Naturgesetzen steht. Der philosophischer Naturalist muss natürlich hier widersprechen. Nach seiner Weltanschauung gibt es nichts, das über den Naturgesetzen steht, also auch keinen Gott. Da der philosophische Naturalismus aber aus dem methodischen Naturalismus erwächst, sieht der philosophische Naturalist nicht nur seine Weltanschauung, sondern auch gleich die Grundlagen naturwissenschaftlicher Arbeitsweise angegriffen.

Nun gibt es aber auch genügend ernsthafte, ehrliche und fachlich hervorragenden Naturwissenschaftler, die Christen sind. Offensichtlich sehen sie keinen Widerspruch zwischen einer naturalistischen Arbeitsweise und dem Glauben an einen Gott jenseits der Gültigkeit der Naturgesetze. Wie lassen sich diese scheinbaren Gegensätze vereinen?

Zunächst muss uns der Nachweis gelingen, dass der methodische Naturalismus nicht im Widerspruch zur Bibel steht, oder mit anderen Worten, dass die Bibel die Grundannahme stützt, dass es diese allgemeingültigen Regeln gibt, nach denen sich alles richtet.

Der erste Anschein spricht gegen diesen Nachweis, immerhin berichtet die Bibel von zahlreichen Ausnahmen zu diesen Regeln. Das ist aber nicht weiter verwunderlich, denn wenn es diese gottgewirkten Regelverstöße (Wunder) tatsächlich gibt, ist es geradezu die Aufgabe der Bibel als Wort Gottes, speziell darüber zu berichten. Interessant ist aber, wie die Bibel von diesen Ausnahmen berichtet.

Nehmen wir zum Beispiel die Jungfrauengeburt. Das neue Testament behauptet, Maria sei schwanger geworden, ohne zuvor Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Das wäre ein eindeutiger Verstoß gegen die Naturgesetze. Die Biologie mag ausführlich und detailiert erklären können, warum das so ist, die prinzipielle Tatsache, dass Jungfrauen nicht schwanger werden können, war auch schon vor 2000 Jahren bekannt.

Das zeigt auch deutlich die Reaktion Josefs. Bis Gott ihn per Engel über die Besonderheit der Situation aufklärt, gibt es nur einen denkbaren Grund für die Schwangerschaft seiner Verlobten: Sie hat ihn betrogen. Jede andere Möglichkeit hätte er in Erwägung gezogen, denn seine im Rahmen seiner Kultur sehr milde Reaktion auf Marias vermeindliche Untreue zeigt, dass er sehr wohlwollend ihr gegenüber war. Nein, Josef hielt die Unmöglichkeit einer Jungfrauengeburt für ein unumstößliches Naturgesetz.

Das wäre vielleicht anders gewesen, wenn Josef Anhänger der griechischen Mythologie gewesen wäre. Da kommen ungewollte Schwangerschaften göttlichen Ursprungs durchaus vor. Die Bibel beschreibt die Jungfrauengeburt jedoch als weltgeschichtlich einmalige Verletzung eines sonst universell gültigen Naturgesetzes, für die es einen triftigen Grund gibt, nämlich dass der Sohn Gottes geboren werden soll. Biologen, die sich mit den einschlägigen Phänomenen beschäftigen, müssen sich also keine Sorgen machen: Eine Jungfrauengeburt wird nach biblischem Verständnis nie mehr stattfinden.

Mit anderen Worten: Wenn die Bibel von Wundern als sehr seltenene Ausnahmen zu ansonsten allgemeingültigen Regeln schreibt, dann bejaht sie doch ansonsten gerade die Allgemeingültigkeit dieser Regeln, oder?

Und was ist mit den Ausnahmen? Nach dem philosophischen Naturalismus darf es die nicht geben, doch was sagt der methodische Naturalismus dazu? Der kann ja deshalb heute nicht mehr ernsthaft angezweifelt werden, weil er in der Naturwissenschaft so extrem erfolgreich ist. Wer jedoch naturwissenschaftliche Erkenntnisprozesse kennt, wird sofort einsehen, dass vereinzelte Wunder, sofern sie selten genug stattfinden, diesen Erfolg nicht im geringsten stören. Schließlich gilt unter Naturwissenschaftlern nur das als Naturgesetz, was sich bei einer Vielzahl von unterschiedlichen Experimenten immer wieder bewährt hat. Ein einzelner Ausreißer — mehr kann ein Wunder nicht sein — sorgt schlimmstensfalls für eine gewisse, vorübergehende Verwirrung, wird aber alsbald durch weitere Erkenntnisse überdeckt. Mal abgesehen davon, dass Gott seine Naturgesetze nach biblischem Verständnis nur aus wichtigem Grund durchbricht, und solch ein Grund wird sich höchst selten unter Laborbedingungen finden, wo der Verstoß gegen die Naturgesetze halbwegs verlässlich erkannt werden kann.

Angesichts des Erfolgs der Naturwissenschaften muss man von der Existenz allgemeingültiger Naturgesetze ausgehen. Eine Weltanschauung, die diese Tatsache leugnet, kann man meiner Meinung nach nicht ernst nehmen. Aber in ihrer Suche nach allgemeingültigen Regeln hat die Naturwissenschaft einen blinden Fleck für die Ausnahme, so lange sie in ihrer Häufigkeit unterhalb der Nachweisgrenze der naturwissenschaftlichen Methodik liegt. Erfolgreiche Naturwissenschaft kann die Regel beweisen, aber nie die Ausnahme widerlegen.

Man kann also ernsthaft Naturwissenschaft betreiben und gleichzeitig Christ sein, man kann den methodischen Naturalismus anwenden und gleichzeitig den philosopischen Naturalismus ablehnen. Man kann von der Eleganz und Universalität der besten naturwissenschaftlichen Theorien genauso fasziniert sein wie von den Wundern Gottes. Und wie sagte der Physiker und Christ Werner Heisenberg so schön: „Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaften macht atheistisch; aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott.“

Hotels haben üblicherweise die Eigenschaft, dass keine neuen Gäste mehr aufgenommen werden können, wenn alle Zimmer belegt sind. Nicht so in Hilberts Hotel. Dieser Traum aller Hotelmanager kann selbst dann noch Zimmer an neue Gäste vergeben, wenn bereits jedes Zimmer belegt ist. Es hat nämlich unendlich viele Zimmer. Der Trick funktioniert ganz einfach: Jeder Hotelgast zieht ein Zimmer weiter, Der Bewohner von Zimmer 1 zieht nach Zimmer 2, der Bewohner von Zimmer 2 nach Zimmer 3 und so weiter. Da das Hotel unendlich viele Zimmer hat, gibt es keinen Gast, der kein neues Zimmer findet. Zum Schluss sind wieder alle Zimmer belegt bis auf Zimmer 1, in das nun der neue Gast einziehen kann. Hilberts Hotel hat noch ein paar mehr Tricks auf Lager, die natürlich in der Wikipedia nachgelesen kann.

Der fiktive Beherbergungsbetrieb des Mathematikers David Hilbert zeigt unter anderem, wie schnell wir mit unserer Anschauung Schiffbruch erleiden, wenn wir den Bereich des Gewohnten ein wenig verlassen. Ein Hotel mit unendlich vielen Zimmern ist natürlich unmöglich, aber eigentlich kein wirklich komplizierter Gedanke. Und schon „geschehen“ Dinge, die völlig jenseits unserer Alltagserfahrung liegen.

Warum ich von Hilberts Hotel erzähle? Nun, weil viele Menschen — Christen und Nichtchristen — meinen, logische Widersprüche in der Bibel zu finden. Wie kann der eine Tod Jesu als Erlösung für die ganze Menschheit ausreichen? Warum spielen gute Werke eine Rolle, wenn der Glaube allein reicht? Wie kann der Mensch einen freien Willen haben, wenn Gott allmächtig ist?

Solche Fragen sind natürlich alle wichtig und berechtigt. Es gibt viele Fragen, auf die ich Antworten brauche, um wirklich Jesus nachfolgen zu können. Oft steht aber hinter derartigen Fragen weniger ein Problem der Nachfolge, als vielmehr ein Problem der Logik. Und meist handelt es sich dabei um eine Form von Alltags- und Amateurphilosophen-Logik, die zwar für den Alltag ganz angemessen sein mag, aber noch nicht mal für eine so einfache Fragestellung wie Hilberts Hotel ausreichen würde.

Wenn unser Alltagsdenken schon an einer einfachen mathematischen Unendlichkeit wie Hilberts Hotel scheitert, wie wird es uns dann ergehen, wenn wir über die Heilige Unendlichkeit Gottes nachdenken? Ich bin jetzt keineswegs dafür, mit dem Denken einfach aufzuhören, ganz im Gegenteil. Aber im Nachdenken über Gott müssen wir immer bereit sein, „to boldly go, where no man has gone before.“

Mit dieser Bereitschaft wir das Nachdenken über Gott zu einer höchst spannenden und faszinierenden Tätigkeit — solange wir nicht vergessen, dass das Reden mit Gott und das Vertrauen auf Gott die viel wichtigeren Tätigkeiten sind.

Kausalität und Logik

4. August 2007

Viele Verständnisprobleme beruhen darauf, dass allgemeingültige Prinzipien vielleicht doch nicht so allgemeingültig sind, wie man angenommen hat. An sich logische Überlegungen können ganz grauenhaft in die Irre führen, wenn schon die Grundlagen nicht stimmen. Wir tun sicher gut daran, gelegentlich an den Fundamenten unseres Denkens zu rütteln, um zu sehen, ob sich irgendwo Risse bilden.

Ein oft für allgemeingültig gehaltenes Prinzip ist die Kausalität. Es geht dabei um den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung, genauer um die Feststellung, dass die Ursache immer vor der Wirkung kommt, und es somit keine Wirkung ohne Ursache gibt. Dieses Prinzip ist die Grundlage aller Naturwissenschaft und hat sich als solches, wie auch die Naturwissenschaft selbst, aufs Beste bewährt.

Versucht man aber, das Kausalitätsprinzip absolut zu setzen, führt das fast zwangsläufig in die Sackgasse des Determinismus und in die Leugnung grundsätzlicher gesellschaftlicher Werte wie die Verantwortung für das eigene Handeln. Eine halbwegs praxistaugliche Ethik ist nicht möglich, solange man davon ausgeht, dass alle Vorgänge kausal sind.

Mit anderen Worten: Es ist notwendig, nach den Grenzen der Kausalität zu suchen. Eine dieser Grenzen ist die Entscheidung. Wir Menschen sind intuitiv der Meinung, dass unsere Handlungen nicht die unvermeidliche Wirkung von irgendwelchen Ursachen sind, sondern dass wir einen gewissen Einfluss auf unser Handeln jenseits der starren Regeln der Kausalität haben. Die Bindung in der Kausalität mag überwiegen, ein gewisser Freiraum für Entscheidungen ist aber zweifellos vorhanden.

Dieser Freiraum darf aber nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden. Entscheidungen werden nicht im luftleeren Raum getroffen, sondern basieren auf Überzeugungen und auf Werten, positive wie negative. Und sie berücksichtigen auch die möglichen Folgen. Mit jeder Entscheidung werden neue Ursachen in das Universum der Kausalität eingespeist, die eine Fülle von Wirkungsketten zur Folge haben können.

Wenn wir als Menschen schon teilweise aus dem Diktat der Kausalität ausgenommen sind, liegt es doch nahe, dies für Gott absolut anzunehmen. Es ist doch kaum vorstellbar, dass der Schöpfer des Universums Gefangener seiner eigenen Schöpfung ist. Nein, bei Gott ist nichts Wirkung, sondern alles Entscheidung. Die vollständige Freiheit von Kausalität ist das, was man wohl gemeinhin „Allmacht“ nennt.

Gott ist frei von kausalen Bindungen, seine Entscheidungen sind immer freiwillig, aber nie beliebig, genauso wie Gott selbst nie beliebig ist. Die Bibel spricht von einem Gott mit ganz bestimmten Eigenschaften, einem redenden, eingreifenden, eifernden Gott. Kurz, einem wiedererkennbaren Gott. (Übrigens wäre ein Gott ohne Eigenschaften ein logisches Unding, weil er von seiner Nichtexistenz nicht mehr unterscheidbar wäre.) Wenn z. B. die Rede davon ist, das Gott nicht lügen kann, dann ist damit nicht gemeint, dass er durch kausale Zusammenhänge daran gehindert wird, sondern dass die Lüge nicht seinem Wesen entspricht, und er sich deshalb nie dafür entscheiden wird zu lügen.

Nehmen wir uns einmal den Begriff Gerechtigkeit vor, unzweifelhaft eine Eigenschaft, die Gott zugesprochen wird und auch unter Menschen ein erstrebenswertes Ziel ist. Dabei ist uns besonders wichtig, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben. Nicht nur, dass die unvermeidlichen Ungleichheiten ohnehin schon groß genug sind, durch die menschliche Neigung zu Egoismus und Vetternwirtschaft besteht die Tendenz, diese Ungleichheit noch zu vergrößern, so dass der Wert der Gerechtigkeit gerade im Sinne von gleichem Recht für alle bewusst dagegen gesetzt werden muss. Im Strafrecht beispielsweise wird versucht, Gleichbehandlung umzusetzen. Das Steuerrecht hat sogar den Anspruch, Ungleichheiten teilweise auszugleichen.

Für Gott gibt es eigentlich keine unvermeidlichen Ungleichheiten. Da er nicht an die Kausalität gebunden ist, könnte er allen Ungleichheiten ein Ende setzen. Die Frage ist nur, ob das erstrebenswert ist. Wenn absolute Gleichbehandlung oberstes Ziel göttlicher Gerechtigkeit wäre, könnte es keine Unterschiede mehr zwischen den Menschen geben, nicht einmal eine Unterscheidung in Mann und Frau wäre dann noch möglich. Wir wären alle ununterscheidbare Klone ein und derselben Idee. Eine Horrorvorstellung. Glücklicherweise hat Gott sich anders entschieden. Er hat die Menschen in einer großen Vielfalt, mit unterschiedlichen Begabungen, Chancen und Möglichkeiten erschaffen. Nach den Maßstäben, mit denen unter Menschen Gerechtigkeit beurteilt wird, ist das ungerecht.

Wenn wir also menschliche Maßstäbe von Gerechtigkeit auf Gott anwenden, kommen wir zu unsinnigen Ergebnissen. Der Gerechtigkeitsbegriff muss für einen nicht an Kausalität gebundenen Gott anders gefasst werden als für uns Menschen. Gott hat nunmal zu den Menschen eine andere Stellung als die Menschen untereinander. Natürlich muss dabei auch die Gleichbehandlung aller Menschen eine wichtige Rolle spielen, sonst würde es sich nicht mehr um Gerechtigkeit handeln. Aber die Annahme, dass jede Ungleichbehandlung ungerecht sei, lässt sich nicht halten. Wo ist also die Grenze? Ist zum Beispiel die besondere Behandlung eines einzelnen, auserwählten Volkes noch durch erwünschte Vielfalt und göttliche Entscheidungsfreiheit abgedeckt, oder schon ungerecht? Wie soll man darauf eine Antwort finden?

„Du sollst Dir kein Bildnis machen“, spricht Gott. Und dabei spielt es keine Rolle, ob das Bildnis aus Stein, Metall oder menschlichen Begrenzungen besteht. Bei dem Versuch, menschliche Maßstäbe auf Gott anzuwenden, muss man versuchen, ein kaum durchschaubares Dickicht an menschlichen Begrenzungen, die auf Gott nicht anwendbar sind, hinter sich zu lassen. Schon mancher hat sich in diesem Dickicht verstrickt und nicht wieder herausgefunden. Natürlich ist es interessant und wichtig, sich auch mit den Mitteln der Logik mit dem Wesen Gottes auseinanderzusetzen. Aber diesen Mitteln sind Grenzen gesetzt. Und im Zweifelsfall hat sich schlichtes Vertrauen gegenüber zweifelndem Nachbohren immer als der erfolgreichere Lebensstil herausgestellt.

Lehrplandetails

14. Juli 2007

Eine eigenartige Allianz: Hessens Kultusministerin Karin Wolff und der Augsburger Bischof Walter Mixa fordern einmütig, die christliche Schöpfungslehre in den Lehrplan des Biologieunterrichts aufzunehmen. An sich eine schöne Idee: Man könnte anhand der Evolutionstheorie besonders gut darstellen, dass auch in der Naturwissenschaft nicht alles gesicherte Erkenntnis ist. Mehr noch, man könnte an diesem Beispiel gut die Möglichkeiten und Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis aufzeigen.

Leider wird es dazu nicht kommen. Den Vertretern dieser Diskussion hier und überm großen Teich geht es zu oft nicht um offene Diskussion, sondern um Durchsetzung der eigenen Position. Die „Diskussionsbeiträge“ setzen zu sehr auf durchschaubare Polemik, bis hin zu dem häufig geführten Versuch, die Gegner der Lächerlichkeit preiszugeben. Dass Eltern und Lehrer diese „Diskussionskultur“ nicht auch noch an den Schulen haben wollen, ist verständlich und richtig.

Vergessen wir bitte nicht, dass die Schule – im Gegensatz zur Universität – nicht der Ort zur Klärung naturwissenschaftlicher Streitfragen oder zur Vertretung von Minderheitenmeinungen ist. Deshalb muss die öffentliche Schule in einem Staat, in dem Religionsfreiheit herrscht, ganz selbstverständlich die Evolutionstheorie lehren, weil es sich dabei nun mal um die Theorie handelt, die von der überwältigenden Mehrheit der Wissenschaftler vertreten wird. Es mag mit einer angebrachten kritischen Distanz und mit dem dezenten Hinweis auf alternative Denkmodelle geschehen, aber es muss geschehen.

Dabei frage ich mich manchmal: Haben wir sonst keine Sorgen? Nach der Harry-Potter-Diskussion in Chemnitz im März melden sich diejenigen in Deutschland, die sich für Christen halten, erneut mit einem Lehrplandetail zu Wort. Als wenn in unseren Schulen nur ein paar Lehrplandetails korrigiert werden müssten, und dann wäre alles in Ordnung. Natürlich ist es nicht falsch, wenn Christen öffentlich ihre Interessen vertreten. (Auch dann nicht, wenn ich wie in den beiden genannten Fällen diese Interessen nicht teile.) Aber wäre es nicht viel besser, schöner, liebevoller, wenn wir uns da einsetzen würden, wo die großen Probleme sind, wo die ganze Gesellschaft etwas von unserem Einsatz hat. Ich will nicht sagen, dass dies nicht geschieht. Vieles bleibt im Verborgenen oder schafft es zumindest nicht in die Nachrichten. Aber ich möchte eine Regel vorschlagen: Bevor wir uns mit einem spezifisch christlichen Randthema öffentlich zu Wort melden, sollten wir zunächst gründlich überlegen, ob es nicht mindestens zehn genauso wichtige Themen gibt, zu denen wir uns zu Wort melden können, die keine spezifisch christlichen Randthemen sind.

Und was ist meine Meinung zum Thema Evolutionstheorie und Schöpfung? Es ist das Wesen der Naturwissenschaft, dass sie sich mit reproduzierbaren Vorgängen beschäftigt. Die Entstehung des Universum ist allerdings genauso wenig reproduzierbar, wie die Entstehung des Lebens auf unserem Planeten. Einmalige Ereignisse sind aber der Naturwissenschaft nur so weit zugänglich, wie sie reproduzierbare Vorgänge enthalten. Mit diesen Vorgängen und den Folgerungen daraus beschäftigt sich – zu Recht – die Evolutionstheorie. Unsere Herkunft als Ganzes ist den Methoden der Naturwissenschaft allein nicht zugänglich. Hier brauchen wir eine ergänzende Quelle der Erkenntnis. Und die ist für mich die Bibel.